Unteres Belvedere: Hans Fronius (1903 bis 1988)
Phantasmagorien à la Goya
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Bis 1. April erinnert die Österreichische Galerie im
Prunkstall (Unteres Belvedere) an den österreichischen Expressionisten
Hans Fronius (1903 bis 1988). Der in Sarajevo geborene Sohn eines Arztes
war Zeitzeuge des Attentats am Thronfolgerpaar und ist vor allem als
Grafiker - mit seinen Bezügen zu Kubin und den deutschen Brückekünstlern -
bekannt. Die Gemälde aus der Sammlung der Österreichischen Galerie:
Landschaften, Veduten, Stillleben, Porträts (z. B. Fritz Novotny) und
religiös wie literarisch beeinflusste Historien zeigen seine Affinitäten
zu Franz Kafka, zum neuen Testament und zum Motiv der
spätmittelalterlichen Totentänze. Die unverkennbare Handschrift des
Malers durch pastosen, teils gespachtelten Farbauftrag verbindet sich mit
hohem humanistischen Anliegen der Thematik. Fronius war geprägt von seinen
Lehrern an der Wiener Akademie, Karl Sterrer und Alois Delug, und er stand
in Verbindung zur Neulandgruppe und deren Mentor Otto Mauer.
Phantasmagorien à la Ensor, Goya oder Kubin - das Makabre, Visionäre
und Existentielle - verbinden sich mit einem passend nervösen Duktus,
unruhiger Oberflächenwirkung und gedämpfter bis düsterer Palette. Vor
allem unter der Ära seines Freundes, des Direktors Fritz Novotny, wurden
die meisten Gemälde angekauft; heute ist der Künstler Siegfried Anzinger
noch einer seiner größten Bewunderer, was die Aktualität seiner Malweise
erkennen lässt. Ein kleiner Katalog mit kennerschaftlichem Text von
Kristian Sotriffer begleitete die Schau von 17 Werken, von denen
allerdings sieben auch auf der Rückseite bemalt sind.
Erschienen am: 12.03.2002 |
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