VON CHRISTA
DIETRICH E-MAIL: christa.dietrich@vn.vol.at
Bregenz, Dornbirn (VN) Im letzten Jahr gelang es dem ehemaligen
Bregenzer Kulturamtsleiter Oscar Sandner an die Tradition der großen
Sommerausstellungen in der Landeshauptstadt anzuschließen. Und nicht
nur das. Das Projekt "Medium Berge" erstreckte sich vom Bodensee bis
zur Silvretta. Ein Bogen, der erhalten bleibt.
Ein zentrales Werk dieses der hohen Qualität österreichischer
Gegenwartskunst gewidmeten Unternehmens war die zweiteilige Arbeit
"Allah ist groß" und "Signatur 02" des Vorarlberger Künstlers
Gottfried Bechtold.
Bauwerk als Kunstwerk
Bestehend aus einer Steinskulptur mit Material aus dem
Atlasgebirge (positioniert am Vermuntsee) und der 14 Meter langen
Signatur an der Silvrettastaumauer, thematisiert Bechtold nicht nur
das Entstehen von Landschaft (die Mauer wird längst nicht mehr als
Fremdkörper wahrgenommen und ähnlich wird es wohl bald dem Stein
ergehen), er erhob ein technisches Bauwerk zum Kunstwerk. Nicht zu
seinem Kunstwerk (geschaffen wurde es einst u. a. von
Zwangsarbeitern), sondern zu einem "Manifest der Grenzüberwindung".
Bechtold: "Kulturelle Entwicklungen, deren eine die Stromgewinnung
ist, sind seit jeher per Osmose mit Kunst verbunden. Mit der
Deklaration der Staumauer zur Skulptur erlangt dieses Phänomen ein
hohes Maß an Sichtbarkeit." An der Schnittstelle zwischen Kunst und
Architektur angesiedelt, entspricht das Werk konkret dem
Sammlungsthema des Bregenzer Kunsthauses. Es wurde nun angekauft,
ist somit das erste öffentlich zugängliche Werk der Sammlung und
bildet als Brückenkopf des in Bregenz situierten Hauses, so
KUB-Direktor Schneider, "einen wichtigen strategischen Schritt für
die zukünftige Ausrichtung der Sammlung."
Bechtolds Reise ins Kunsthaus ist somit erfolgt und wird heute
symbolisch besiegelt.
Das Automobil
Seine einstige Reise zur Weltkunstausstellung "documenta 5" in
Kassel ist nun im ORF-Landesstudio in Dornbirn nachvollziehbar. Dort
befindet sich zurzeit nicht nur der Crash-Porsche (und erinnert an
den legendären Ur-Betonporsche, den die Universität Konstanz
angekauft hat), dort ist das Thema Automobil fassettenreich und in
gewisser Weise auch in seiner enormen Bedeutung erfasst. Mahner und
Warner zu sein, wäre Bechtold zu einfach, er setzt zwar auch ganz
bewusst einfache Statements (das Auto als bodenlose Sparkassa) und
ist als guter Zeichner sowie als Aquarellist (eine nächtliche Straße
erhält Ornamentcharakter, golden gepolstert erscheint das Interieur
eines in seiner Biographie wichtigen Autos) ein ausgefuchster
Kommentator, der als Konzeptkünstler u. a. die Alpen überquerte. Die
Stationen seiner Reisebilder (allesamt in Vorarlberg aufgenommen,
simulierten sie 1971 eine Europatournee) hat er wieder aufgesucht.
Das Verschwundene steht nur scheinbar im Vordergrund. Dass es bei
Bechtold ums Bild hinter dem Bild sowie auch ums Formale geht, weiß
man aber.