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| 02.09.2004 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Kunstraum | ||
HILGER CONTEMPORARY: MEERBLICKVielleicht gibt es doch einen Ort, an dem alle Menschen
gleich sind. Im Werk von Massimo Vitali ist es der dicht bevölkerte
Strand, an dem individuelle Merkmale verschwinden. Seit über 15 Jahren
klettert der italienische Fotograf auf hohe Leitern, um von oben Badende
an Urlaubszielen wie dem belgischen Knokke oder dem brasilianischen Cabo
Frio festzuhalten. Dabei folgt der 1944 geborene Künstler einem
ausgeprägten Interesse für Komposition. In "Vecchiano" (14.400 Euro) etwa
strebt der Blick über den mit Körpern gesprenkelten Sand hinweg zum
Horizont, in "Miami Sagamore" (je 30.000 €) taucht er mitten ins Geschehen
einer Poolparty ein. Touristische Menschenmengen fotografiert Vitali auch
in Florenz. Bei der vielschichtigsten Arbeit der Schau, "Firenze via via"
(14.400 €), rückt er noch raffiniert die Ferse von Michelangelos David ins
Bild. Letztlich spielt aber doch das strahlende Türkis des Wassers die
Hauptrolle in den recht geschmäcklerischen Bildern und die riesige
Ausarbeitung der Fotos liefert weniger Informationswert, als sie
beeindrucken will. (Bis 25. 9., Dorotheergasse 5, Wien 1) FOTOGALERIE WIEN: INNENSICHTAls zweiten Teil ihrer Ausstellungsreihe "Stilleben"
zeigt die Fotogalerie Wien eine abwechslungsreiche Gruppenschau mit dem
Titel "Interieur". Zwar fällt die Darstellung von Innenräumen traditionell
nicht in die Kategorie Stillleben, aber bei den ausgewählten Arbeiten
fließen solche kunsthistorische Gattungen ineinander. Elfriede Mejchar
ergriff bei Auftragsarbeiten die Gelegenheit, einen Blick von außen auf
das eigene Set zu werfen: Stativ, Scheinwerfer, Reflexwände und andere zur
Dokumentation von Kunstgegenständen benötigte Utensilien hält die Wiener
Fotografin als Nature morte (800 €) fest. Der 1975 geborene Marko Zink
durchstöbert als unermüdlicher Narziss die Wohnung und entdeckt sein
verzerrtes Spiegelbild mal auf der Türschnalle, mal auf der Mikrowelle.
Alte Einrichtungszeitungen dürften Walter Ebenhofer als Quelle für seine
Fotoserie "das Schöne, zum Beispiel" (je 360 €) gedient haben. Aus diesen
Interieurs isoliert der Künstler dekorative Objekte wie Polster oder
Vasen, die farblich verfremdet und grob gerastert ihrer Botschaft
"Wohnlichkeit" beraubt werden. (Bis 29. 9., Währinger Straße 59, Wien
9) BLACK DRAGON SOCIETY: HANDSCHRIFTSchon seit längerer Zeit ist ein wieder erwachtes
Interesse an Figuration zu beobachten, das mit einer Aufwertung des
Mediums Zeichnung Hand in Hand geht. Dieser Trend wird auch in der
gelungenen Ausstellung "Line / Spot" bestätigt, die Arbeiten von Studenten
der Akademie der bildenden Künste zeigt. Wer den "Realismus" lange Zeit
gepachtet hatte, macht Kamen Stoyanov in seiner ironischen Zeichnung "Wir
müssen die Leute für die EU vorbereiten" (450 €) deutlich: Dort steht ein
Ballonverkäufer vor einer sozialistischen Plastik. Eine Vorliebe für
surreale Szenarios und hohes technisches Können beweisen die
Schmalix-Schüler Robert Freund und Jose Luis Garcia Pozo. Die spannendsten
Papierarbeiten stammen jedoch von Daniel Domig, dessen rätselhaftes
Triptychon (je 600 €) auch bei mehrmaliger Betrachtung seine komplexe
Bildstrategie nur zögernd preisgibt. (Bis 9. September, Burggasse 51,
Wien 7) Nicole Scheyerer |
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