Salzburger Nachrichten am 15. Mai 2006 - Bereich: Kultur
Psychedelisch abheben

Das wird die Freunde der Sixties begeistern: "Summer in Love" in der Kunsthalle Wien entführt in eine kunterbunte, psychedelische Welt, die heute noch anregt.

WIEN (SN-eStro). Die Jungen unter uns kennen das gar nicht mehr. Drogen. Aber in den Sixties, damals war das ganz anders. Wer sich an die Sechziger erinnern kann, war nicht dabei, so ein alter Witz. Ein Jointerl, LSD, Meskalin, und seit Timothy Leary in den USA auf der Suche nach Dauerekstase als Hohepriester der Bewusstseinserweiterung predigte, fühlte sich insbesondere die Popkünstlerschar aufgerufen, das Bewusstsein auszudehnen. "Psychedelische" Kunst eroberte die Jugendkultur.

In der jungen Musikerszene kostete der Missbrauch Todesopfer, Brian Jones, Jimi Hendrix, Janis Joplin, deren Porsche in der Ausstellung steht. Ansonsten war "Love & Peace" angesagt. Blumenkinder, Happenings, Woodstock, Londoner Mode machten allesamt die Welt fröhlich und bunt. Die reale Welt dominierte der Ost-Westkonflikt und der Vietnamkrieg. In der Wiener Kunsthalle ist - bis 17. September - eine Ausstellung zu sehen, welche "psychedelische Kunst" in buntesten Farben schildert und den Ausgangspunkt im "Summer of Love" 1967 in San Francisco nimmt.

Die Ausstellung zeigt mit rund 500 Exponaten die Verflechtung von Pop und Kunst, von politischem Aufruhr und moralischen Umwälzungen, und dokumentiert die Aufbruchstimmung im Soge der gesellschaftlichen, politischen, ethnischen und sexuellen Befreiung.

Es konnte einem gar nicht zu bunt werden, das zeigt diese Retrospektive in Wien, eine Koproduktion mit der Schirn Kunsthalle Frankfurt und der Tate Liverpool, deren Kurator Christoph Grunenberg unendlich viele Beweise zusammengetragen hat. Ein Österreich-Teil mit Schwerpunkt Architektur - Stichwort Coop Himmelb(l)au oder Haus-Rucker-Co - bringt revolutionäre Ergänzungen, auf echte Drogenerfahrungen beruft sich aber nur der Maler Arnulf Rainer. Die anderen begnügten sich eher mit dem guten alten Doppler zur kreativen Bewusstseinserweiterung.

Bis heute tut sich die Kunstgeschichte schwer mit der Anerkennung dieser ausufernden surrealen, floralen Form und Norm aufhebenden "trivialen" Kunst, etwa auf Posters oder Plattencovers, doch gerade heutzutage greifen junge Künstler weltweit verstärkt auf die Vorbilder aus den 60er Jahren zurück. Und so entfernt ist diese schöne Welt von damals nicht, wenn man etwa daran denkt, dass gerade heuer die Rolling Stones oder Santana in Wien auftreten. Deren Plattencovers ("Abraxas") sind ebenso Bestandteil der Ausstellung wie die von Grateful Dead, Velvet Underground, Pink Floyd und anderer, denen man regen Drogenkonsum nachsagte.