Uli Aigner ist geübt im Umgang mit
Multimedialem. Das ist ihr Werkzeug, daraus entwickelt sie ihr
bildnerisches Vokabular. Bei ihrem eigens für das Lentos
produzierten Installations-Projekt "Keimzelle des Staates"
kombiniert sie Fotographie mit Buntstiftzeichnung:
Familienbilder werden auf große Papierformate projiziert und
in Fragmenten nachgezeichnet. Uli Aigner beweist sich hier als
formal versiert. Als eine, die Spannungsfelder zwingend
austarieren kann.
Im spannenden Wechselspiel von
konturhafter Andeutung und detailgenauer Ausarbeitung
entspinnt sich eine tiefsinnige sozio/politische
Auseinandersetzung.
Uli Aigner stellt das heile Bild
von Familienidylle außenpolitischen Zeitungsbildern von
missbrauchten Kindern gegenüber. Missbraucht als
Kriegsmaschinen, missbraucht aufgrund gesellschaftlicher
Abhängigkeiten. Als zusätzlichen Kontrapunkt hat sie
knallgelbes, bequemes Mobilar in den Raum gestellt. Farbe
ironisiert Funktion.
Uli Aigner erzählt uns hier also
die Geschichte von sozialer Ungerechtigkeit. Aufgeteilt auf
drei große Räume. Was nicht nur neben der eigentlichen
Lentos-Hauptschau "Paula's Home" zu viel ist. Uli Aigners
durchaus markante Bild-Geschichte wäre wohl auch mit Nutzung
eines Raumes umfassend abgedeckt.
Wie bereits
anlässlich der Rezension zur Künstlerinnen-Präsentation
"Paula's Home" angemerkt: Diese Parallelprogrammierung ist
absolut unverständlich. Sie verhinderte erstens eine formal
geschlossene Ausarbeitung des Konzeptes von "Paula's Home".
Und zweitens wird in diesem Kontext dem Publikum durch die
Ausdehnung der Werke Aigners auf drei Räume eine doch zu große
Bedeutung dieser Wiener Künstlerin suggeriert.
vom
20.10.2004 |