OÖNachrichten
von
Irene Judmayer
LENTOS: Wienerin Uli Aigner zeigt in Bild/Möbel "Keimzelle des Staates"
Mit einem Raum wäre hier alles gesagt
Uli Aigner ist geübt im Umgang mit Multimedialem. Das ist ihr Werkzeug, daraus entwickelt sie ihr bildnerisches Vokabular. Bei ihrem eigens für das Lentos produzierten Installations-Projekt "Keimzelle des Staates" kombiniert sie Fotographie mit Buntstiftzeichnung: Familienbilder werden auf große Papierformate projiziert und in Fragmenten nachgezeichnet. Uli Aigner beweist sich hier als formal versiert. Als eine, die Spannungsfelder zwingend austarieren kann.

Im spannenden Wechselspiel von konturhafter Andeutung und detailgenauer Ausarbeitung entspinnt sich eine tiefsinnige sozio/politische Auseinandersetzung.

Uli Aigner stellt das heile Bild von Familienidylle außenpolitischen Zeitungsbildern von missbrauchten Kindern gegenüber. Missbraucht als Kriegsmaschinen, missbraucht aufgrund gesellschaftlicher Abhängigkeiten. Als zusätzlichen Kontrapunkt hat sie knallgelbes, bequemes Mobilar in den Raum gestellt. Farbe ironisiert Funktion.

Uli Aigner erzählt uns hier also die Geschichte von sozialer Ungerechtigkeit. Aufgeteilt auf drei große Räume. Was nicht nur neben der eigentlichen Lentos-Hauptschau "Paula's Home" zu viel ist. Uli Aigners durchaus markante Bild-Geschichte wäre wohl auch mit Nutzung eines Raumes umfassend abgedeckt.

Wie bereits anlässlich der Rezension zur Künstlerinnen-Präsentation "Paula's Home" angemerkt: Diese Parallelprogrammierung ist absolut unverständlich. Sie verhinderte erstens eine formal geschlossene Ausarbeitung des Konzeptes von "Paula's Home". Und zweitens wird in diesem Kontext dem Publikum durch die Ausdehnung der Werke Aigners auf drei Räume eine doch zu große Bedeutung dieser Wiener Künstlerin suggeriert.

OÖnachrichten vom 20.10.2004
 
   



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