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| 11.09.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Kritik Ausstellung: Aktive und weniger aktive Gene | ||
| "Datenwerk: Mensch" - Richard Kriesche stellt im Bassano-Saal des KHM "Porträts" aus. | ||
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TGCAACTG - auch so kann ein Porträt aussehen. Zumindest wenn man den Menschen mit Richard Kriesches Augen sieht. Der Grazer Medienkünstler und dreifache Biennale-Venedig-Teilnehmer will in seiner Ausstellung "Datenwerk: Mensch. Das Porträt - Genealogie und Genetik" nicht das Äußere oder die Psyche des Abgebildeten zur Schau stellen, sondern dessen winzigste molekulare Bausteine. Egal ob Frau Obermayer oder Frau Halwachs, sie alle lassen sich auf vier Buchstaben reduzieren: A, C, G, T - Adenosyn, Cytosin, Guanin, Thymin, die vier elementaren Nukleinbasen der DNA. Bloß die Anordnung variiert. Mehrere solcher Porträts hat Kriesches Schau im Kunsthistorischen Museum zu bieten, nicht sonderlich originell das ganze. Auch der "ART"-Chip ist nicht gerade ein Genie-Streich des Künstlers: Eine schwarze Tafel mit knallgrünen Strichen und Punkten soll Kriesches eigene molekularbiologische Daten veranschaulichen - also so eine Art Selbstporträt sein. Dazu wurden messenger-RNA-Genabschnitte auf einen Chip aufgebracht und grün fluoriszierend markiert. Je mehr Aktivität ein Gen aufweist, umso stärker leuchtet es auf dem schwarzen Hintergrund. Nun ja, als Insiderwitz unter Molekularbiologen würde so etwas vielleicht durchgehen. "Vertrauen in unser optisches System heute ist
unangebracht" - Kriesches Idee, für seine Bilder die Naturwissenschaft in
die Pflicht zu nehmen, wurzelt in einem tiefen Misstrauen. Filter - etwa
persönliche Interpretationen, Manipulationen - sollen von den
traditionellen und medialen Bildern genommen werden, was übrig bleibt, ist
wenig: Zahlen, Daten, Fakten. Bloße Dekonstruktion aber ist noch keine
große Kunst. tom |
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