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Bye-bye, New York; hello, Abu Dhabi!

02.10.2008 | 18:51 | ALMUTH SPIEGLER (Die Presse)

Werden wir für die nächste Van-Gogh-Retrospektive ins Guggenheim Abu Dhabi reisen, statt in die Albertina zu schlendern?

In die Privatmuseen von Roman Abramowitsch in Moskau oder von Wiktor Pinchuk in Kiew statt von Charles Saatchi in London, um die „fresh cream“ der zeitgenössischen Kunst zu entdecken? Zur Gwangju-Biennale nach Südkorea statt in die Giardini von Venedig, um wirklich dabei gewesen zu sein? Nach Mumbai statt nach Miami, um die spektakulärste Kunstmesse zu besuchen? In die Auktionssäle von Shanghai statt von New York, um die nächste Rekordpreisschlacht zu beklatschen?

Die Wirtschaftskrise macht noch deutlicher, was sich in den vergangenen Jahren abgezeichnet hat: Wir werden unseren Fokus endgültig gen Osten verrücken müssen, uns von den westlichen Kunstzentren des 20.Jahrhunderts, Paris, New York, London, verabschieden und den näheren und ferneren Osten entdecken. Auch wenn für uns hier eine Welt zusammenzubrechen droht, den Kunstmarkt wird das diesmal eher peripher tangieren. Im Hochpreissegment wird er längst von Sammlern aus Russland, China, Indien und den Vereinigten Emiraten getragen, die jetzt praktisch ohne Konkurrenz Meisterwerke shoppen gehen können – die nötigen Fachleute inklusive.

Eckhard Schneider, Direktor des Kunsthauses Bregenz, soll 2009 Direktor des Privatmuseums des ukrainischen Oligarchen Pinchuk werden. Der ehemalige Guggenheim-Guru Thomas Krens managt weiterhin den Bau der bisher größten Guggenheim-Filiale in Abu Dhabi, die 2012 eröffnen soll. Nebenan wird der Louvre um Touristen buhlen, ein Biennale-Park, eine Kunstmesse und das Sheikh Zayed Museum.

Ausverkauf und Niedergang? Erst einmal ist diese Entwicklung eine Herausforderung, die uns sogar aus der mittlerweile erreichten Sackgasse der Kunst- und Kulturvermarktung hinauszwingen könnte. Statt sich für permanentes Wachstum immer stärker privatwirtschaftlichen Interessen zu verschreiben, sollten die Institutionen, Museen wie Ausbildungsstätten, nämlich schleunigst ihre wissenschaftliche Kompetenz und Unabhängigkeit stärken. Content statt Quote, da liegen (noch) unsere Stärken. Im Finanziellen wohl kaum.


almuth.spiegler@diepresse.com


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