17.04.2002 22:31:00 MEZ
Lebendige Proben für "Graz 2003"
Zwei Tage "Aktuelle Kunst in Graz" am Wochenende

Graz - Während man sich um Hüllen, Blasen und Murinseln sorgt, kann abseits der Baustellen auch schon ein Schnitt durch die Buntheit möglicher Füllungen in den Blick genommen werden. Zum fünften Mal wird zur "tour des galeries" quer durch die Grazer Innenstadt geblasen. Samstag ab 12.00 Uhr reiht sich Vernissage an Vernissage, um anschließend abends (ab 22.00 Uhr) im Theatro gemeinsam gefeiert zu werden.

Hauptorganisatorin Tanja Gassler darf sich über wachsendes Publikumsinteresse und über den geglückten Zusammenschluß von 21 unterschiedlichsten Ausstellungsinstitutionen und -zielen freuen. Das Programm verzichtet deshalb bewusst auf thematische Schwerpunkte.

Bei den Verkaufsgalerien spannt sich der Bogen weit, vom Nitschschen Schüttbild (bei Kunst & Handel) über die komplexen, in langwieriger Produktion sich selbst zitierenden Malereien von Katharina Wulff (bei Bleich-Rossi) bis hin zur zartlinig ephemeren Poesie der Petra Sterry (bei Schafschetzy). Demgegenüber verschalten sich die Medien im Medienturm: Herwig Weisers Zgomobil gebiert ein ungewohntes Wechselspiel zwischen Soft- und Hardware. Das Forum Stadtpark widmet seinen Beitrag den Zusammenhängen von Bewegung, Zeichnung und Gedanken in oftmals die Grenze zwischen Immaterialität und Körperlichkeit thematisierenden Arbeiten wie den Wäscheleinen Heike Webers.

Spaßig geht's im Kunstverein rotor an die künstlerische Aufarbeitung des Verhältnisses zwischen Künstler und Kurator, die in ironisch dokumentierten Extremsituationen (wie etwa Christian Alexas Flucht aus einem Kunstinstitut) kulminieren. Gezielt hergestellte Interdependenzen sind im pluralistisch abgesteckten Raum selten: Die computergenerierten Bilder von Rudi Molacek werden von der Neuen Galerie und der Galerie Lendl gezeigt, David Ölz malerisch fotografierte Monumentalisierungen von Plastilinteilen sind als Installation im Stiegenaufgang zum Minoritensaal und in der Galerie CC zu sehen.

Thomas Bayrles Auseinandersetzung mit standardisierten Zeitungslayouts und ihre Übersetzung in entsprechend ausgestanzte Kartone sind als Koproduktion von Grazer Kunstverein und Edition Artelier entstanden. Wer es metaphorisch liebt, kann in den von Bayrle im Kunstverein präsentierten Flechtwerken aus Makro- und Mikrostrukturen ein Bild über die sehr lebendige Grazer Ausstellungsszenerie sehen.
(trag/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 4. 2002)


Quelle: © derStandard.at