VON ARIANE GRABHER
Bludenz (VN) War die Sommerausstellung
im vergangenen Jahr dem lange Zeit in Bludenz tätigen Künstler und
Kunsterzieher Wilhelm Schnabl gewidmet, so zeigt die diesjährige
Schau mit den Arbeiten des jungen Vandanser Künstlers Peter
Kohlbacher eine zeitgenössische, forciert realistische, malerische
Position.
Eine 1992 datierte Gartenidylle und die
Körperformationen "Saltomortale" von 1996 bieten Einstieg und
Anknüpfungspunkt an vorhergehende Arbeiten, doch fokussiert die
Ausstellung vor allem die zuletzt, zwischen 1998 und 2002,
entstandenen Werke. In zum Teil großen Formaten setzt der 1970
geborene Montafoner Künstler Peter Kohlbacher auf Realismus und
Alltagsbilder. Operierten frühere Bilder, die in unmittelbarer Nähe
zu den Videoarbeiten entstanden sind, noch stark mit
autobiographischen Bezügen, so kommt in der aktuellen Malerei
Kohlbachers ein erweitertes Umgebungsfeld zum Tragen, in dem sich
der Schritt von der Subjektivierung zur Objektivierung vollzieht.
Realismus als Mittel
Malerei als Selbstzweck und Kunst, die zum kommerziellen
Verkaufsgeplänkel gerät, sind Kohlbacher in Zeiten der
Bildüberfrachtung ebenso suspekt wie die wenig nachvollziehbaren
Theoreme so genannter Konzeptkünstler. Der von ihm praktizierte
Realismus macht es dem Betrachter aber auch nicht gerade leicht.
Dient er zum einen nur als Mittel, um die Dinge offen zu legen, und
schwankt er zwischen gleichzeitiger Nähe und Distanz zum Objekt, so
führt das genaue Bezeichnen der Dinge in der Malerei Kohlbachers
just ins Gegenteil. Eine - in Anbetracht des Dargestellten sehr
persönliche - Auseinandersetzung bleibt dem Betrachter trotz der
Wortwörtlichkeit der Darstellung nicht erspart. Wo sich nackte
menschliche Körper, Geschlechtsteile in Aktion, Objekte mit
Fetischcharakter wie der artig weiß bestrumpfte rote Stöckelschuh
mit dem neckischen Mäschchen, und ein Pandämonium aus Kreaturen
zwischen Mensch und Tier ein überdeutliches Stelldichein geben und
"Der Affe (. . .) die Bananen zum Tatort" trägt, da geht es dem
Künstler nicht um Abbildlichkeit. Auch nicht um Narration, denn dazu
dauert der Entstehungsprozess schlicht zu lange, der sich auch schon
einmal über mehrere Jahre hinwegziehen kann.
Taktloses Taktieren
"Die Provokation im Bild ist legitim", sagt Kohlbacher.
Pornografie will er in dem munteren Geschehen auf seinen Leinwänden
aber keine sehen. Seine Malerei stelle keine Behauptungen auf, es
handle sich weder um Hypothesen noch um Synthesen, sondern eher um
Prothesen, also Hilfsmittel, die dem Betrachter im Diskurs die Augen
öffnen sollen. Eine Taktik gibt der Künstler, dem "vordergründig
taktloses Spielen" lieber ist als Taktieren, aber keine vor. So mag
sich jeder seine Strategie im Umgang mit den Bildern selbst
zurechtlegen, und wer sich im Dschungel hitziger
tierisch-menschlicher Körperkontakte verirrt, dem sei als einzige
Zuflucht die kleine Gartenidylle empfohlen.
Arbeit vonKohlbacher: hitzig tierisch-menschliche
Kontakte.