VN Mo, 8.7.2002

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Kultur 

Provokation ja, Pornografie nein

Arbeiten von Peter Kohlbacher in der Remise Bludenz

VON ARIANE GRABHER

Bludenz (VN) War die Sommerausstellung im vergangenen Jahr dem lange Zeit in Bludenz tätigen Künstler und Kunsterzieher Wilhelm Schnabl gewidmet, so zeigt die diesjährige Schau mit den Arbeiten des jungen Vandanser Künstlers Peter Kohlbacher eine zeitgenössische, forciert realistische, malerische Position.

Eine 1992 datierte Gartenidylle und die Körperformationen "Saltomortale" von 1996 bieten Einstieg und Anknüpfungspunkt an vorhergehende Arbeiten, doch fokussiert die Ausstellung vor allem die zuletzt, zwischen 1998 und 2002, entstandenen Werke. In zum Teil großen Formaten setzt der 1970 geborene Montafoner Künstler Peter Kohlbacher auf Realismus und Alltagsbilder. Operierten frühere Bilder, die in unmittelbarer Nähe zu den Videoarbeiten entstanden sind, noch stark mit autobiographischen Bezügen, so kommt in der aktuellen Malerei Kohlbachers ein erweitertes Umgebungsfeld zum Tragen, in dem sich der Schritt von der Subjektivierung zur Objektivierung vollzieht.

Realismus als Mittel

Malerei als Selbstzweck und Kunst, die zum kommerziellen Verkaufsgeplänkel gerät, sind Kohlbacher in Zeiten der Bildüberfrachtung ebenso suspekt wie die wenig nachvollziehbaren Theoreme so genannter Konzeptkünstler. Der von ihm praktizierte Realismus macht es dem Betrachter aber auch nicht gerade leicht. Dient er zum einen nur als Mittel, um die Dinge offen zu legen, und schwankt er zwischen gleichzeitiger Nähe und Distanz zum Objekt, so führt das genaue Bezeichnen der Dinge in der Malerei Kohlbachers just ins Gegenteil. Eine - in Anbetracht des Dargestellten sehr persönliche - Auseinandersetzung bleibt dem Betrachter trotz der Wortwörtlichkeit der Darstellung nicht erspart. Wo sich nackte menschliche Körper, Geschlechtsteile in Aktion, Objekte mit Fetischcharakter wie der artig weiß bestrumpfte rote Stöckelschuh mit dem neckischen Mäschchen, und ein Pandämonium aus Kreaturen zwischen Mensch und Tier ein überdeutliches Stelldichein geben und "Der Affe (. . .) die Bananen zum Tatort" trägt, da geht es dem Künstler nicht um Abbildlichkeit. Auch nicht um Narration, denn dazu dauert der Entstehungsprozess schlicht zu lange, der sich auch schon einmal über mehrere Jahre hinwegziehen kann.

Taktloses Taktieren

"Die Provokation im Bild ist legitim", sagt Kohlbacher. Pornografie will er in dem munteren Geschehen auf seinen Leinwänden aber keine sehen. Seine Malerei stelle keine Behauptungen auf, es handle sich weder um Hypothesen noch um Synthesen, sondern eher um Prothesen, also Hilfsmittel, die dem Betrachter im Diskurs die Augen öffnen sollen. Eine Taktik gibt der Künstler, dem "vordergründig taktloses Spielen" lieber ist als Taktieren, aber keine vor. So mag sich jeder seine Strategie im Umgang mit den Bildern selbst zurechtlegen, und wer sich im Dschungel hitziger tierisch-menschlicher Körperkontakte verirrt, dem sei als einzige Zuflucht die kleine Gartenidylle empfohlen.

Arbeit vonKohlbacher: hitzig tierisch-menschliche Kontakte.




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