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05.05.2003 18:46

Steirische Ankaufspolitik ohne "Know-How"?
"Mit uns wurde auf jeden Fall keine Rücksprache gehalten", ärgert sich das "beschenkte" Joanneum über die vom Land für sie getätigten Kunstankäufe



Graz - Mit Erstaunen und Ärger reagierte die Geschäftsführung des steirischen Landesmuseums Joanneum auf den jüngst von der Steiermärkischen Landesregierung einstimmig beschlossenen Ankauf von sieben Kunstwerken. Die um über 83.000 Euro angekauften modernen Kunstwerke sollen der Neuen Galerie "zur weiteren Verwendung und Ausstellung" übergeben werden. "Mit uns wurde auf jeden Fall keine Rücksprache gehalten", wunderte sich der wissenschaftliche Leiter des Joanneums, Wolfgang Muchitsch über die Ankaufspolitik des Landes.

Joanneum-Geschäftsführer Muchitsch: "Verwunderlich"

"Bis auf ein Werk sind alle anderen Kunstwerke ohne unser Zutun angekauft worden", erklärte Muchitsch. Es sei "schon verwunderlich, wenn man sich bei Ankäufen nicht auf jene verlässt, die auch tatsächlich das Know-how haben", so der Geschäftsführer verärgert.

Joanneum wurde nicht über Ankauf weiterer Werke informiert

"Wir haben einen einzigen Antrag eingebracht und man hat uns auch gar nicht informiert, dass mehr angekauft wurde", so die Leiterin der Neuen Galerie, Christa Steinle am Montag verwundert. "Wir haben mittlerweile eine sehr beeindruckende Günter-Brus-Sammlung, daher habe ich vorgeschlagen, den Zyklus 'Venus im Pelz' anzukaufen", so Steinle.

Unter den angekauften Kunstwerken in der Gesamthöhe von 83.791 Euro befinden sich aber auch noch zwei Werke von Günther Waldorf (insgesamt 28.000 Euro), ein Bild von Ferdinand Penker (7.000 Euro), eine Arbeit von Gustav Troger (4.000 Euro), ein Bild von Franz Motschnig (5.000 Euro) und das vom ehemaligen Kulturreferenten beauftragte Kunstbuch "Signora" der israelischen Künstlerin Rivka Rinn (2.000 Euro).

Neue Galerie sieht andere Kriterien für Ankauf für gewichtiger an

Finanziert wird der Ankauf aus Mitteln des Joanneums-Fonds. Er wurde im Jahr 1985 als so genanntes Sondervermögen des Landes mit dem Ziel gegründet, wertvolles Kulturgut, das sonst dem Land Steiermark verloren gehen würde, zu sichern. Laut Statuten wird er aus öffentlichen Mitteln und privaten Spenden gespeist. "Nicht dass ich die anderen Künstler nicht schätzen würde, aber ich denke nicht, dass die angekauften Werke zu dem unwiederbringlich gefährdeten Kunstwerken gehören", so Steinle. Umso unverständlicher ist ihr, warum die Werke nun der Neuen Galerie übergeben werden.

Klasnic: "Liste ist einstimmig beschlossen worden"

Die Freigaben der Mittel erfolgte über Antrag des Landeskulturreferenten durch Beschluss der Landesregierung. Beantragt wurde der Ankauf noch vom damaligen Kulturreferenten des Landes, Gerhard Hirschmann (V). Nach dem Wechsel des Ressorts zu Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (V), wurde der Antrag am vergangenen Montag nochmals eingebracht. "Die Liste ist einstimmig beschlossen worden. Unverändert. Niemand hat was gesagt", so Klasnic.

Niemand hat offenbar daran gedacht den Beschenkten, nämlich die Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, über die künftigen Neuzugänge zu informieren. "Hier hat offensichtlich ein Kulturreferent erstmals selbst bestimmt, was angekauft wird", so Steinle erstaunt. (APA)


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