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Der Most der Granatäpfel

(cai) Gut, das Hohelied Salomos (wo die Finger der Liebenden vor lauter Myrrhe triefen und von den Lippen der Kussbegabten der Honig tropft) mag nicht unbedingt "Basic Instinct" auf Alttestamentarisch sein. Trotzdem geht mir nicht ganz ein, wieso Jaume Plensa ausgerechnet die unerotischsten Textstellen in diesem Biotop für verwegen bukolische Sexual-Metaphern gepflückt hat, um damit seine drei männlichen "Grazien" zu beschriften, die gelassen wie Energiesparlampen an den Wänden hocken und diskret leuchten. Zugegeben: Einmal tränkt die Freundin den Geliebten eh mit dem Most ihrer "Granatäpfel". Aber ansonsten: tote Hose. Und warum bloß stehen auf den Augen und Mündern die Namen der Tore Jerusalems? Sehr bedeutungsschwanger. Überhaupt braucht man hier viel Lesekondition, weil der Plensa überall Wörter draufpicken muss.

Sein Selbstporträt als Elias Canetti ist übersät mit Psycho-Diagnosen. Wie Schizophrenie. "Bibliomanie" meint sicher jenen unglücklichen Leser aus Canettis "Blendung", der sich auf einem Bücherhaufen selbst kremiert. Ein bisserl enttäuscht bin ich: Plensa streckt als Canetti ja nicht einmal provokant seine Zunge heraus, konkret: "Die gerettete Zunge" (so der Titel des ersten Bandes von Canettis Autobiographie), jenes Artikulationsorgan, das der Liebhaber des Kindermädchens vom Elias C. brachialchirurgisch "wegzensurieren" hat wollen. Den "Buchstabenregen" (der komplette Text der Menschenrechtsdeklaration aus einzeln aufgefädelten Eisen-Buchstaben) gibt’ s auch nicht als Hörbuch. Wenigstens kann man mitten durchlaufen und sich am muntren Klang der Metall-Lettern erfrischen. Und wenn man einen Schirm dabei hat, darf man das gewiss auch wie Gene Kelly tun. Ja, alles ist animierend mysteriös. Am Ende ist der rätselnde Betrachter freilich ausgelaugt.

Galerie Mauroner

(Weihburggasse 26)

Jaume Plensa

Bis 3. Juni

Di. bis Fr. 11 bis 19 Uhr

Sa. 11 bis 16 Uhr

Alphabetoman.

*

Geiles Rindfleisch

(cai) Sie ist schon in den Sonnenuntergang (oder jedenfalls gen Westen) geritten, da war Amerika noch eine cowboyfreie Zone. Allerdings hat dieses Cowgirl nicht einer Pferdestärke die Sporen gegeben, sondern ist von geilem Rindfleisch gekidnappt worden. Übers Mittelmeer, nicht über den Mississippi. Von Zeus, der sich als Stier versucht hat. Das legendäre Mädel namens Europa hat es jetzt dem Daniel Maria Thurau angetan, der es gern in symbol- und stierhörnergetränkte Szenen verwickelt. Etwa in ein nicht wirklich durchschaubares Triptychon. Da verführt Europa ihren Liebhaber mit Blumen. Ein Stier ist ja ein Vegetarier. Zwei Skelette mit Kopftüchern gibt’s auch und eine bekennende Europäerin mit Euro-Sternderl-Armbinde. Sehr verständlich (und trostreich) ist die anmutige Farbpalette. Lieblich wie die G’sichtln.

Galerie Lang

(Seilerstätte 16)

Daniel Maria Thurau

Bis 1. Juni

Di. bis Fr. 12 bis 18 Uhr

Sa. 11 bis 16 Uhr

Allerliebst.

*

Malkasten-Kompetenz

(cai) "Primitiv" will man das gar nicht nennen, was dieser einfache Hilfsarbeiter, der so gern zur Fremdenlegion gegangen wäre, in seiner Freizeit mit seinem Pinsel getrieben hat. Josef Wittlich (1903 bis 1982) hat unerreichbare "Primadonnen" (Mannequins und die Queen) oder heldenhafte Soldaten als dramatisch dekoratives Flecken-Ensemble gemalt. Da ist nichts unbeholfen oder zu belächeln. Und wenn er seine "Farbscherben" sauber in ein schwarzes Liniengerüst einsetzt, hat das gar was Kirchenfensterliches.

Galerie Chobot

(Domgasse 6)

Josef Wittlich

Bis 24. Mai

Di. bis Fr. 13 bis 18 Uhr

Sa. 11bis 16 Uhr

Gar nicht sehr naiv.

Mittwoch, 03. Mai 2006


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