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07.08.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung
Stiftung Ludwig: Ewig lockt das Meisterwerk
VON ALMUTH SPIEGLER
Ausstellung. 25 Jahre Österreichische Ludwig Stiftung im Museum moderner Kunst.

Ziemlich sauer soll Sammlerwitwe Irene Ludwig, ihr Mann starb 1996, bereits sein, erzählt Edelbert Köb, Direktor des Museums moderner Kunst - den Zusatz "Stiftung Ludwig" nicht zu vergessen -, bei der Pressebegehung der Ausstellung zum 25-Jahr-Jubiläum besagter Stiftung in Österreich. Schließlich war die Schenkung der mäzenatischen Schokoladefabrikanten daran gebunden, dass die Schwerpunkte der Sammlung permanent sichtbar sind. Nicht nur hin und wieder, wenn die stockwerkübergreifenden Sonderausstellungen ein wenig Raum lassen.

Etwa, wie gerade jetzt, unten im Keller, wo sonst der Wiener Aktionismus haust. Fast alle anderen Geschoße werden dafür benötigt, zu zeigen, dass das zu klein gebaute Haus allein durch die Fülle der jüngeren Foto- und Medienkunst-Ankäufe aus allen Nähten platzt. Botschaft verstanden, das Mumok will erweitern, Richtung St. Marx, in eine der ehemaligen Rinderhallen.

Ein Projekt, das viel Geduld und Sponsoren-Pflege kosten wird. Und in Wien eingesessene Konkurrenz hat: Den geplanten "Contemporary Art Tower" im Flakturm Ahrenbergpark, der bereits MAK-Direktor Peter Noever viel Geduld und Sponsoren-Pflege gekostet hat. Erst einmal aber musste das MuMoK die befremdete Ludwig-Stifterin befrieden - und zwar mit einer hübschen Übersicht über die zwei großen Werk-Blöcke, die die Sammler über die Jahre in die 1981 gegründete Stiftung eingebracht haben. Ohne diese rund 400 Dauerleihgaben, darunter wichtige Arbeiten von Picasso, Rauschenberg, Warhol, hätte Wien heute kein auch nur annähernd bedeutendes Museum moderner Kunst.

1991 wurde der Stiftungsvertrag bis 2011 verlängert - was auch heißt, dass die Bundesmuseen weiterhin jährlich um Ankäufe aus dem vom Staat 15 Jahre lang um je 1,27 Millionen € aufgestockten Stiftungskapital rittern dürfen. Laut Köb eine recht geheimnisvolle Prozedur: 300.000 bis 700.000 € stünden jedes Jahr zu Verfügung, vier, fünf Werke setze das Mumok auf gut Glück den unter strengem Verschluss tagenden Stiftungs-Mitgliedern vor, darunter Irene Ludwig, Ministerin Gehrer, zwei Beamte, Kunsthistoriker Hermann Fillitz, Boris Marte, Kultursponsor-Chef der "Erste Bank".

Einziges Auswahl-Kriterium: Meisterwerk. Dass dieses aber sehr subjektiv ist, kommt bei der Ausstellung recht deutlich heraus, etwa mit Larry Roons' nicht sonderlich herausragenden "Nixe's Mate", einer Leinwand mit grünen, blauen und orangen Ovalen auf rotem Hintergrund von 1961, angekauft 1996. Ganz anders dagegen der 1979 in der Galerie nächst St. Stephan und der Secession entstandene "Basisraum nasse Wäsche" von Joseph Beuys, angekauft 1998, zu sehen im Raum nebenan, gewidmet ganz den zumeist im Depot verräumten Beständen des Künstler-Schamanen.

Ein toller Raum aus Zeichnungen, Objekten, Installationen, der exemplarisch die Zusammensetzung der Mumok-Sammlung zeigt - Leihgaben und Ankäufe der Ludwig-Stiftung, eigene Erwerbungen sowie Bestände der 1978, wohl ebenfalls wegen des Wiener Engagements der Ludwigs ergatterten Kölner Sammlung Hahn.

Ihr verdanken wir eins der frühen Hauptwerk von Beuys, seine verkohlte Ateliertür, Relikt einer Explosion 1954. Sie wies ihm einst, wie er sagte, den Weg. Zwei Hasen- und ein Reiherkopf baumeln als Zeichen dafür an ihr - und noch immer besitzt sie diese unvergleichlich auratische Ausstrahlung, die einst Generationen von Kunsthistorikern auf die lichte Empore des "20er Hauses" lockte, und sie eintreten ließ, in das Werk von Beuys und die Kunst nach 1945.

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