OÖNachrichten
http://www.nachrichten.at/kultur/598029

„Hab ich da richtig gehört?“ Komponist Peter Androsch wundert sich über das Vorgehen der Denkmalschützer bei '09-Projekt. Foto: Herzenberger
Denkmalschützer: „Gefahr im Verzug!“
Bringt der Denkmalschutz 09-Kulturprojekt um?
Kultur-Killer?
von
Erhard Gstöttner
Kulturhauptstadt-Projekt wackelt
Das „Akustikon“ des Komponisten Peter Androsch sollte ein zentrales Element des Linzer Kulturhauptstadtjahres 2009 sein. Doch das Projekt kann kaum am geplanten Ort am Linzer Hauptplatz stattfinden. Denn der Bau steht nun unter Denkmalschutz.

Androsch, auch Musikbeauftragter von Linz 09, hat das „Akustikon“ entwickelt, als Kontrapunkt zum überbordenden Musikangebot von Wien und Salzburg. „Es hat keinen Sinn, sich dazwischendrängen zu wollen“, sagt Androsch. Darum suchte er ein Thema, das über 2009 hinausführt und inhaltlich Neues erschließt: Hören in Zeiten der akustischen Dauerüberflutung. Die Beschäftigung mit dem Thema soll im „Akustikon“ monomedial, nur durch Hören erfolgen. „Wir wollen uns damit zum Beispiel vom Wiener Haus der Musik unterscheiden und damit Linz erneut auf der kulturellen Landkarte positionieren“, sagt Androsch.

Akustische Überflutung

Die zentrale These des Linzer Komponisten ist die von der akustischen Hegemonie: Wer bestimmt, was wir hören? Anders ausgedrückt: Der akustische Raum ist vielfach besetzt, aber dort herrscht eine Art „Wilder Westen“. Derlei akustische Überflutung führe dann zum Beispiel zu Hyperaktivität bei Kindern, sagt Androsch.

Jungsozialist finanziert

Quartier für das „Akustikon“ sollte das Haus Nummer 14 am Linzer Hauptplatz werden. Die Linzer Architektin Isa Stein entwickelte ein Um- und Ausbaukonzept für das ehemalige „Funke & Loos“-Gebäude, das derzeit im Erdgeschoß das Reisebüro Kuoni beherbergt. Doch das Bundesdenkmalamt hat das 1595 erstmals erwähnte, aber Anfang des 20. Jahrhunderts neu aufgebaute Haus vor zwei Wochen unter Schutz gestellt. Die Um- und Ausbaupläne sind dadurch kaum noch zu verwirklichen – dazu der nebenstehende Bericht.

Das „Akustikon“ sollte auch ein neues Beispiel von Kultursponsoring in Oberösterreich werden. Cevdet Caner, in Linz aufgewachsener Kurde und mittlerweile europaweit als Immobilien-Investor tätig, hätte das „Akustikon“-Quartier errichtet. Der ehemalige Chef der Linzer Jungsozialisten hätte auch den Betrieb für zunächst zehn Jahre finanziert.



OÖnachrichten vom 03.10.2007
 
   



© Wimmer Medien / OÖNachrichten
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf.
zurück