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Eros, Mythen und Ikonen: Pierre & Gilles im Kunsthaus Wien
2002-02-13 14:31:17

Ausstellung "Arrache mon coeur" von 14.2.-26.5. präsentiert - französisches Künstlerduo erstmals in Österreich.

Wien (APA) - Ihre Platten- und Zeitschriftencover, Kinoplakate und Videoclips zählen längst zum Kanon der zeitgeistigen Populärkultur. Ab morgen, Donnerstag, ist das Werk des französischen Künstlerduos Pierre & Gilles erstmals in Österreich zu sehen. Unter dem Titel "Arrache mon coeur" präsentiert das Kunsthaus Wien bis 26. Mai ihren Kitsch-Kosmos aus Herz-Schmerz, Eros, Mythen und Ikonen in 75 Fotoarbeiten der vergangenen drei Jahre.

Seit 25 Jahren arbeitet das schwule Paar zusammen. Gemeinsam entwerfen sie ihre Szenarien, Pierre fotografiert, Gilles bearbeitet die vergrößerten Abzüge mit malerischen Techniken weiter. Integraler Bestandteil der Bilder ist schließlich der Rahmen, mit einer stilistischen Bandbreite von monumentalen Gold-Ungetümen bis zu glitzernden Kunststoffwülsten. Die ikonenhaften Arbeiten von Pierre & Gilles sind glatte Oberflächen ohne Tiefe, zusammengesetzt aus dem Fundus der Kunstgeschichte und Mythologie ebenso wie aus der Alltags- und Trashkultur.

Schöne Jünglinge als "Ganymed", "David" oder "Merkur" in einer Mischung aus sozialistischem Realismus und der Ethnographie des 19. Jahrhunderts, schwülstige Idyllen von Liebespaaren, Matrosen und Matadore, hinduistische Gottheiten neben einem heiligen Antonius mit erigiertem Penis und einem dreckverschmierten, tätowierten "Jesus" inmitten von Bierdosen. Das charakteristische unbeschwerte "poetische" Lebensgefühl der beiden erscheint in ihrer aktuellen Ausstellung, die erstmals außerhalb Frankreichs gezeigt wird, allerdings ein wenig umschattet. Ein Bub mit einem blutigen Teddybär im Arm und ein halb nacktes an einen Baum gefesseltes kleines Mädchen sollen Albträume aus der Welt der Kindheit illustrieren, düstere Soldatenbilder und Porträts erzeugen morbide Atmosphäre. Als "Kitsch" wird gemeinhin der Ausdruck eines "unehrlichen" Gefühls gebrandmarkt. Das Problem dabei ist, wer die Ehrlichkeit der Gefühle anderer beurteilen will. Pierre & Gilles beteuern jedenfalls, ihre Kunst sei durchwegs ernst gemein. Und in der Tat vermitteln die wenigsten ihrer Arbeiten wirklich Witz und Ironie. Selig, die glauben können.