High Life für die globalisierte Kunstszene: Nach der
Biennale-Eröffnung vergangene Woche zog der schillernde Tross weiter in
die Schweiz. Am Dienstag öffnete die "Art Basel" zum 34. Mal ihre
exklusiven Kojen, die Sammler-Gattinnen konnten nach der venezianischen
Staub-und-Schweiß-Wolke ihre Manolo-Blahnik-Pantöffelchen würdig
ausführen, die hellen Leinenanzüge der Herren blieben unbefleckt, die
skurrilen Cowboy-Hüte der US-Kunstinvestoren blitzten weiß. Ein Aufatmen
und Champagner dazu.
Nach der verzettelten, enttäuschend kleinteiligen
Jubiläums-Biennale wirkte die "Art" heuer noch großzügiger und eleganter,
auch an Trinkwasser mangelte es im Vergleich zur italienischen
Überforderung nicht - die größte Kunstmesse der Welt muss nichts mehr
beweisen. Die Zahl der Besucher (50.000) und der Medienvertreter (1500) in
sieben Tagen ist seit Jahren konstant. Weltweite Rezension oder nicht,
auch der Irak-Krieg liegt bereits in verdrängbarer Entfernung. Grundtenor
der Galeristen: Der Kunstmarkt stagniert zwar, aber Top-Qualität verkauft
sich immer gut, das Problem hat die Mittelware.
Gelassen kann das "Art"-Chef Samuel Keller sehen: Der
Ansturm der Galeristen war noch nie so vehement wie in diesem Jahr. Das
Messe-Komitee konnte unter 930 Anmeldungen auswählen. Um die Superlative
abzustecken: 270 Galerien aus über 20 Ländern aller Kontinente wurden
letztlich eingeladen, die 1500 Künstler von Klassischer Moderne bis zum
Young-Star präsentieren. Die "Big Players" hier sind Deutschland (58
Galerien), USA (53) und die Schweiz (38). Ihnen folgen auch die Schwärme
der Sammler, an denen dann alle mitnaschen.
Im Erdgeschoß der Messehalle konzentriert sich die
Klassische Moderne, über Preise reden ist hier fast peinlich: Bei
Gagosian, Gmurzynska reihen sich Picassos, Légers, Schwitters-Bilder
aneinander - allesamt Museumsstücke. Marlborough bietet ein
Francis-Bacon-Triptychon um 10 Millionen Dollar an. Spannender ist es
trotz allem im Obergeschoß, wo das Zeitgenössische dominiert, teils kommen
die Arbeiten frisch aus den Ateliers. Die goldene Sau von Paul McCarthy
(Hauser & Wirth) warf sich erst heuer auf den Boden, Cindy Sherman
(Metro Pictures) schlüpft in ihren Fotografien zur Zeit ins Clownkostüm,
Robert Longo überrascht nach jahrelangem Zeichnen in schwarzweiß mit
dunkelroten Rosen-Porträts.
Aus Österreich reisten neun Galerien an. Zufriedene
Gesichter leuchten schon wenige Stunden nach der Eröffnung bei Nächst St.
Stephan, Krinzinger und Hilger, die auf der "Art" schon seit über 20
Jahren vertreten sind. Thaddaeus Ropac zeigt ein exklusives Programm von
Alex Katz, Baselitz bis zu einer fast drei Meter hohen Holzskulptur von
Stephan Balkenhol (70.000 Euro). Georg Kargl hat frische Arbeiten von Elke
Krystufek im Angebot, Christine König stellte eine aufwendig-bunte Koje
zusammen, dominiert von einer Installation von Johanna Kandl. Einen
Fixplatz hat auch Österreichs einziger Galerist für Fotografie, Johannes
Faber.
"Statements" heißt die Schiene, mit der die Messe den
Jungen eine Chance gibt: 17 Einzelausstellungen werden gezeigt, die Wiener
Krobath Wimmer sind mit Florian Pumhösl vertreten. Den Preis für das beste
"Statement" ging heuer aber überraschend an die Warschauer Galerie Foksal,
die einer irritierenden Installation aus weißen Türen von Monika Sosnowska
Platz gaben. Schon auf der Biennale in Venedig war die Polin mit einem
optisch vorgetäuschtem Korridor aufgefallen - etwas altmodisch, aber
effektvoll.
Neben der sich vollends rehabilitierten Malerei scheint
der Spaß- oder Eventfaktor immer wichtiger zu werden. Skurrile Skulpturen,
witzige Objekte und Raumerlebnisse scheinen ihren Markt gefunden zu haben,
sie sind in Basel nicht mehr zu übersehen: Chris Johanson bastelte ein
hüttenhaftes Labyrinth, eine "Rotte" zwergenhafter Hühnerdiebe in
Motorradkluft schleicht sich, installiert von Michael Reisch, von hinten
an. Die Londoner Galerie Friedman verkörpert diesen Geist perfekt: Von
einer Wand kann man Bändchen, bedruckt mit Wünschen von Rivane
Neuenschwander (von Cocktails bis Weltfrieden) pflücken, Kendell Geers
wickelte eine Madonna in Absperrbänder und Yoshitomo Nara lässt einen
halben Hund aus der Wand springen. Überhaupt bestimmen die Japaner - mit
Nara und vor allem Takashi Murakami - den Trend zum flächigen,
ornamental-dekorativen, hin zu einer neuen Pop-Art der Fun-Generation. Das
wird ziemlich sicher Kult. Eher jenseitig wirkt dagegen die strenge
Fotografie der Becher-Schüler, die im Vergleich zu den letzten Jahren auch
kaum mehr vertreten ist. Endgültig tot scheint die Video-Kunst. Fast kein
Galerist schickt einen auf der Messe mehr in die dunklen stickigen Räume,
um Kurzfilme von Künstlern zu zeigen, die gegen den Experimentalfilm oft
glatt und konservativ wirken. Ein Ausgedinge haben die ungeliebten
Video-Abteile heuer noch an der "Art unlimited", einem der
Messe-Highlights: eine Ausstellung praktisch ohne Größenbeschränkungen, wo
Richard Serra sogar noch 40 Tonnen Stahl aufstellen darf.
Bis 23.
Juni.
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