17.07.2003 10:27
"Visionslose" 50. Biennale?
Ex-Kurator Szeemann kritisiert Konzept seines Nachfolgers heftig
Berlin - Harald Szeemann, Kurator der Venedig-Biennale
2001, hat gegenüber der Tageszeitung "Die Welt" die derzeitige 50. Biennale
seines Nachfolgers Francesco Bonami als "visionslos" bezeichnet. Es sei
schwierig, Neues zu entdecken, und der Umgang mit dem Raum sei in den meisten
Fällen verheerend, kritisierte Szeemann.
Bonami habe - statt ein
Gesamtkonzept zu verfolgen - seinen Kuratoren einfach freie Hand gelassen und
oft gesagt: "Ich weiß nicht, was sie tun. Wenn sie Scheiße bauen, bin ich
schuld." Zudem warf er Bonami einen "total lieblosen" Umgang mit den Bildern im
Museo Corer vor.
Zu der Idee Bonamis, die Biennale als Ansammlung
kleinerer Einzelausstellungen anzulegen, sagte Szeemann: "Viele Kuratoren machen
eben noch keine großartige Ausstellung." Das Konzept der diesjährigen Biennale
(15. Juni bis 2. November) sei im übrigen nicht neu. Er selbst habe bereits 1972
bei seinen Vorbereitungen zur "documenta 5" in Kassel zahlreiche Kuratoren für
Themen und Stile genutzt. Allerdings habe er sich damals die letzten
Entscheidungen vorbehalten, damit das Ganze "ein Organismus, eine Welt" bleibe.
(APA/dpa)