|
(27.04.2005) CharimGalerie: David Moises -
Moonraker
Verbastelt
 |
David Moises Hoverdrom, 2005 Autodrom,
Vespa-Piaggio Motor 60 x 180 x 90
cm |
 |
David Moises, Geheilter Heimtrainer,
2005 Heimtrainer, Rollstuhlmotor und Dynamo
95 x 130 x 60
cm
|
 |
David Moises, Touch of the Tiger, 2005 3
Waschstraßenbürsten, Antriebseinheit 250 x 300
x 70
cm
|
| Es
war spektakulär. Vorige Woche setzt David Moises in der
Galerie Charim sein Hoverdrom in Gang. Das Autodrom-Gefährt
mit eingebauten Vespamotor bewegte sich zwar nicht nennenswert
vorwärts, aber der Auspuff glühte bedrohlich. Am Ende waren
alle froh, dass nichts passiert ist.
Mit Vorliebe
bastelt Moises Geräte, die sich selbst im Weg stehen. Es
könnte, so seine Überlegung, sein, dass die Dinge, die uns so
umgeben, auch sowas wie eine Seele haben. Zum Beispiel der
Heimtrainer. Der denkt sich vielleicht: Wieso muss ich ständig
so blöd herumstehen? Ich würde jetzt gern ein bisschen
spazieren gehen. Und David Moises ermöglicht es ihm: Flugs ein
Motor eingebaut, zwei zusätzliche Rollen anmontiert, und schon
können die Fitnessjünger das Gerät durch die Gegend strampeln.
Das ist natürlich viel anstrengender als mit dem Rad zu
fahren. Aber um den Benutzer geht es hier ja nicht.
Schon Dada und Konstruktivismus bauten bewußt
dysfunktionale oder autodestruktive Maschinen - Moises`
Fortbewegungsmittel der etwas anderen Art (auch ein fliegender
Teppich ist darunter) funktionieren zwar nach seinen kühnen
Eingriffen noch immer, aber nicht ganz so reibungslos wie
vorher. Irrational eingesetzt, wird die Technologie zu einem
zeit- und kraftraubenden Supplement.
Das Interessante
an der Ausstellung ist, dass sich der 32-jährige Moises
weitgehend auf Alltagskultur seiner Kindheit bezieht: Da
frisiert er ein "Bonanzarad" auf, dort lässt er eine
Spielkonsole blechern Zukunftsverheißungen aus dem Jahre
Schnee daherplappern, und auch das Ausstellungsdesign spielt
an auf einen Fetisch dieser Jahre: Die Zeitschrift "hobby".
Das alles erinnert ein bisschen an den
Wickie-Slime-and-Paiper-Kult der letzten Jahre. Automatisch
ist so Gefahr von Nostalgie im Verzug, die sich auch durch
Ironie nicht ganz bannen lässt. Und doch: Vielleicht sind
Moises` Geräte doch mehr als nur lustig. Vielleicht sind sie
die Bestandsaufnahme des Feelings einer Generation. Die
kapiert hat, dass die technologischen Versprechungen der
vorigen Jahrzehnte nichts mehr taugen. Und die mit ihren
dreißigirgendwas Jahren noch immer gerne spielt und
bastelt.
(1010 Wien, Dorotheergasse 12, bis 07.05.2005) http://www.charimgalerie.at/
Nina Schedlmayer

[ Ihre
Meinung ]
|