Peter Pakesch, Intendant des Landesmuseums
Joanneum in Graz, ist zwar nicht Direktor im Wiener Belvedere geworden,
dafür aber Kurator im Parlament. Im Rhythmus von etwa einem halben Jahr
werden in den Sitzungssälen, im Besucherzentrum und in der zentralen
Garderobe Werke von bereits etablierten Künstlern präsentiert. Diese
Gemälde, Objekte, Fotografien und Zeichnungen können bis September nicht
nur im Rahmen von Führungen oder während der Plenartage nach Anmeldung
besichtigt werden – sie geben auch für die Politik eine
Diskussionsgrundlage darüber, was Kunst zeitgenössisch macht. Eine
Broschüre der Parlamentsdirektion bietet bebildert, mit Kurztext und
Biografien wertvolle Informationen.
Von zwei Künstlerinnen wurde bereits Werke angekauft: Eva Schlegels
Porträts und ganzfigurige Lambaprints "unscharfer Frauen" hängen im
Besucherzentrum und als interessanter Blickfang einer Achse am Gang.
Johanna Kandls Eitemperabild zu einer vorangegangenen Betriebsbesichtigung
in einem Mega-Baumarkt in Stadlau ist als bekanntes Thema Politikern
bereits aufgefallen. Es wurde aus der Margarethe Lupac-Stiftung angekauft.
Eine besonders sensible Zeichnerin ist Adriana Czernin, die ihre
Figuren mit Hilfe von komplexen, meist floralen Ornamentschichten fast
unsichtbar macht. Eine Welt zwischen blühendem Garten und bizarr
verdrehten Körpern, eingefangen mit Farbstift.
Maja Vukoje, Eisler-Preisträgerin des Vorjahres, vereint in ihrer
Malerei nicht nur Materialien, sondern mischt auch Medienbilder mit
surreal-romantischen Elementen. Von Erwin Wurm sind drei Fotografien einer
neuen Serie zu den One Minute Sculptures zu sehen, die im Grazer
Kongresszentrum entstanden sind. Die ironische Auslotung zwischen
Modellen, Raum und scheinbar aufgehobener Schwerkraft ist auch in den
"Indoor Sculptures" wichtig und der Erfinder eines neuen plastischen
Denkbegriffs steht gleich selbst am Kopf – an eine Säule gelehnt.
Herbert Brandls schwarzweiße Ölbildserie in 16 Teilen, eine
Dauerleihgabe der Sammlung Essl, hängt als etwas entrückter Fries in der
zentralen Garderobe. Die Werke stammen, sofern nicht anders genannt, aus
den Galerien Hofstätter, Janda, Krinzinger und Krobath-Wimmer.
Parlament: Plenarsäle, Besucherzentrum
Bis September
Kurator: Peter Pakesch
Sehschule.
Freitag, 05. Mai
2006