Zigarette und Bierglas in der Hand, schaut der Clown nachdenklich in die Ferne. Sean Landers Bild ist Teil der „Big Clown Show“ am Stand der belgischen Galerie „Sorry We're Closed“. Der Stand kann wie ein Kommentar zur Messe gelesen werden: Alles ist eine große Clownshow – aber der Spaß ist vorbei. Und zwar nicht auf dieser 29. Art Brussels, sondern auf all den viel zu vielen Kunstmessen.
Immer mehr Messen werden veranstaltet, nach London, Basel und Köln gehören New York, Wien und Madrid, jetzt auch Singapur, Hongkong und Mexiko zur Landkarte des Handels mit zeitgenössischer Kunst. Der Kunstmarkt ist global geworden, besonders die europäischen Galerien nehmen weltweit teil. Auf der Art Brussels etwa kommt nur ein Viertel der 170 Aussteller aus Belgien, die übrigen großteils aus Frankreich und Deutschland, aber auch aus Mexiko, Chile, Indien. (Aus Österreich sind heuer neun Galerien: Ernst Hilger, Grita Insam, Krinzinger, Krobath, Layr, Mario Mauroner, Meyer Kainer, Elisabeth & Klaus Thoman.) Lokal ist nur das Publikum: 70 Prozent der gut 30.000 Besucher sind aus Belgien.
Auf manche Messen ganz verzichten?
Zudem finden all diese Messen in kurzem Abstand hintereinander statt. Immer häufiger hört man die Überlegung, ob man nicht auf manche Messen ganz verzichten sollte, etwa auf die Artforum in Berlin, was aufgrund des Erfolgs des Berliner Gallery Weekend plausibel erscheint. Dort wird in den Galerieräumen ausgestellt, und zwar in großen Präsentationen und durchaus auch sperrige Positionen – also diametral entgegengesetzt zur Tendenz von Sparständen und Dekokunst auf Kunstmessen.
Ob vor zwei Wochen auf der Art Cologne oder jetzt in Brüssel, radikale, irritierende oder gar provokante Kunst ist kaum noch zu finden. Es dominieren nette Harmlosigkeiten. Das kann man den einzelnen Messen kaum zum Vorwurf machen, nicht einmal den Galerien. Es betrifft das gesamte System. Es ist die konsequente Entwicklung eines verwirrend globalen Kunstmarkts, der immer größer und kommerzieller wird, auf den immer mehr ungeschulte Sammler kommen, darunter auch Investoren, die nur schnelle Gewinne suchen. Da wundert es nicht, wenn die Galerien immer weniger komplexe inhaltliche Positionen und immer mehr dekorative Werke anbieten.
Aber auf der Art Brussels ist dies besonders schmerzhaft, denn diese Messe hat sich über die letzten Jahre als Entdeckermesse für spannende, junge Positionen etabliert – und außerdem gibt es kaum ein anderes Land, in dem so viele so hervorragend informierte Kunstsammler leben. Die waren durchaus zahlreich zur Eröffnung gekommen. Auch wurde angemessen verkauft. Aber Enthusiasmus kam heuer keiner auf. Sicherlich konnte man auch hervorragende Werke entdecken. Aber es setzten so viele Galerien auf Kleinformatiges, auf wenig experimentierfreudige Malerei, figurative Zeichnungen und dekorative Skulpturen, dass diese Hürde voller Harmlosigkeiten erst einmal überwunden werden musste. Verschärfend kam noch hinzu, dass in der Halle 1 unmittelbar nach dem Eingang viel zu viele, kleine Stände eine eher kleinkrämerische Stimmung erzeugten. Wie notwendig auf Kunstmessen große Kojen sind, zeigte die Halle 2, in der die arrivierten Galerien ihre Waren großzügig präsentierten.
Die zunehmenden Sparversionen störten schon auf der Arco in Madrid, waren dort aber am Hallenrand aufgereiht. In Brüssel sind die kleinen Stände der „Young Talents“ aneinandergereiht und die 14 gesponserten und daher viel zu kleinen „First Call“-Kojen um einen Platz herum zusammengeballt. Das gibt eindeutig ein falsches Signal – denn zum Sparen kommt ja eigentlich niemand auf eine Kunstmesse.
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