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Die Werke von Araki hängen
diesmal im Treppenhaus zur Galerie. Die Fotografien der bereits gezeigten
Dinosaurier reihen sich eng aneinander. Die Treppe, die zum Kabinett führt
ist, wie jeder Winkel der Secession, mit Kunst besetzt. Ken Lum zeigt dort
Spiegel, auf die kleine Fotos gesteckt sind – eine (unabgeschlossene)
Serie chinesischer Lokale rund um die Welt. Im Eingang verstellt die
riesige aufblasbare Gummipuppe von Lee Bu (Seoul) den Blick, die Türen zum
Hauptraum sind mit Visitenkarten von Wang Jianwei (Peking) gepflastert und
durch Wände und Decken bis zum Gehsteig laufen Röhrensysteme. Das
Hauptklischee zum Thema Asien lautet Fülle, Gedränge, Chaos. Die
Ausstellung scheint dies bestätigen zu wollen, so weit, dass es in der
geballten Menge zunächst kaum möglich ist, das Leitthema der Ausstellung
zu entdecken. Der Titel gibt Hilfestellung: Städte im Aufbruch. Die
Auswahl der beiden Kuratoren, Hou Hanru und Hans-Ulrich Obrist, fiel auf
all jene Künstler und Künstlerinnen, die in irgendeiner Weise ‹die
asiatische Stadt in den 90er Jahren› thematisieren. Diaprojektionen,
Mengen von Videofilmen, CD Roms und Architekturpläne liefern Bilder und
Beispiele asiatischer Grossstädte. Der Ausstellungsaufbau verdoppelt den
Eindruck noch. Den Hauptraum dominiert das riesige Baustellengerüst des
Architekten Yung Ho Chang (China) – Sinnbild der asiatischen Stadt und
Präsentationsfläche des ‹Dialogs zwischen Kunst und Architektur›. Das
Gerüst steht auf kleinen Schildkröten, den Torwächtern der Secession.
Huang Yong Pings (Xiamen/Paris) Arbeit ist einer der subtilsten Beiträge
der Ausstellung. Andere Arbeiten lassen mich an meiner Möglichkeit
zweifeln, diese unserer westlichen Ästhetik fremde Kultur zu verstehen.
Ist es Kitsch, Kritik, Humor oder einfach nur Folklore? Rirkrit
Tiravanijas Beitrag, eine Kooperation mit Navin Rawanchaikul (Bankok),
beantwortet zumindest partiell die Frage. Ihren Beitrag, das ‹tuk-tuk›,
jenes für Asien typische ‹Taxi›, und das Plakat, wollen sie als
Aufeinandertreffen der Kulturen verstanden wissen. Dies unterstreicht auch
die Künstlerauswahl, denn neben Arata Isozaki oder Toyo Ito zeigt auch Rem
Koolhaas seine architektonischen Entwürfe. Und neben den asiatischen
Künstlern wurden auch die Österreicher Karl-Heinz Klopf, Aglaia Konrad und
Rudi Molacek eingeladen. Sie zeigen ihren europäischen (Foto)Blick auf
Asien. Molaceks Postkartenständer im Eingang ist ein schönes,
leise-poetisches Gegengewicht zu den übrigen Inszenierungen ringsum, dem
Sammelsurium kleiner Konsumgüter von Sarah Sze (New York) und dem
komisch-kritischen ‹Camel›-Kamel-Bild des in Shanghai sehr erfolgreichen
Zhou Tiehai. Erst mit der Zeit lassen sich auch subtilere Positionen wie
die schöne und durchaus kritisch gemeinte Fotowand von Hanouy (Tokyo) die
Skulptur von Yutaka Sone (Tokyo) wahrnehmen, jener Marmorblock, der die
Insel Hongkong kurz vor der Übergabe 1997 mit allen Gebäuden darauf zeigt.
Den Kreis schliesst Cai Guo Qiang (Guangzhou/New York) mit einer
originalgrossen Golfbahn, die sich per kleiner Hinweistafel als Kritik an
der Fülle der Ausstellung enttarnt.
Bis 18.1.1998
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