Kitsch vom Feinsten 2002-02-08
19:42:20
Der Medienkünstler Hans Weigand verwandelt die Innsbrucker Galerie
Thoman in ein kultiges Wohnzimmer von gestern.
INNSBRUCK. Hans Weigand sei ein Künstler, "der mit den Konzepten der
Moderne seine Spiele treibt", so der Medientheoretiker Thomas Feuerstein
bei der Eröffnung der Personale Weigands in der Innsbrucker Galerie
Thoman. Der 48jährige Haller, der bei Oswald Oberhuber an der Wiener
Angewandten studiert hat, hat für seine Schau der Galerie das Ambiente der
sechziger Jahre verpasst. Rauhfaser- und Ziegeltapeten verströmen heute
kultiges Wohnzimmerflair, bildet die Kulisse für die Bilder und Objekte
des Künstlers, die in Vielem auf dieses Gestern verweisen.
"Ich mag
das Triviale, den Kitsch, das mich Hineinbeamen in die Zukunft genauso wie
in die Vergangenheit", so Weigand. Eine Synthese von beidem sind seine
Bilder, auch technisch. Die Basis sind teilweise alte Fotografien oder
Videobilder, die er in großem Format am Computer ausdruckt. Dramatisiert
wird das Abgebildete durch Weigands Übermalungen mit irisierenden Farben,
die er rinnen lässt, das Untergründige mehr oder weniger zudeckend,
akzentuierend oder zum Muster degradierend.
Trotz seines
Bekenntnisses zum Alltäglichen ist Weigands Art zu Denken aber höchst
kunstvoll und hintergründig. So benutzt er einerseits die Codes der
Moderne, um sie gleichzeitig spielerisch ad absurdum zu führen. Weigands
Kunst ist eine sehr private, hat ureigenst mit ihm zu tun, mit eigenen
Befindlichkeiten, Erlebnissen, Träumen und Obsessionen. So klinkt er sich
etwa in seiner Jerry Cotton-Serie in die Gedankenwelt dieses Romanhelden
leibhaftig ein, verwischen die Wirklichkeiten, Fake und Realität. Um
Amerikanisierung und Globalisierung geht es in anderen Arbeiten, um Träume
von ewigem Leben und mentalen Exkursionen in außerirdische
Welten.
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