18.11.2002 15:00
Vom Stahl-Container zum Glaskubus
Zehn Jahre Kunsthalle Wien: Das Ausstellungshaus feiert - Mit
Ansichtssache
1992 wurde der Container am Karlsplatz eröffnet. Mit der
Farbgebung des Containers am Karlsplatz, gelb und blau, war der damalige Wiener
Bürgermeister Helmut Zilk (S) nicht besonders glücklich gewesen. Dennoch
verteidigte er die wegen ihrer "Kistenform" heftig im Gemeinderat kritisierte
neue Kunsthalle als "sinnvolle und wirtschaftliche Lösung".
Die
Übergangslösung
Die ehemalige Kulturstadträtin und Initiatorin des
Projektes, Ursula Pasterk (S), betonte den "temporären Charakter" des von
Architekt Adolf Krischanitz gestalteten Baus am Karlsplatz. Immerhin hofften
alle auf eine absehbare Übersiedlung in das zukünftige MuseumsQuartier. 29
Millionen Schilling (2,11 Mill. Euro) betrugen die Errichtungskosten des
Containers, ein Schnäppchen im Vergleich zu den 68 Millionen Schilling für eine
alternative fünfjährige Anmietung des Künstlerhauses, führte Pasterk damals aus.
Ihr Ziel war erreicht, den "ersten eigenen Bau Wiens für moderne Kunst zu
schaffen".
Die LeiterInnen
Erster Leiter war der Schweizer
Toni Stoos. Stoos verließ die Kunsthalle 1995 in Richtung Bern. Seit 1. 1. 1996
ist Gerald Matt Geschäftsführer. Mit ihm war Cathrin Pichler als Chefkuratorin
gekommen. Die Zusammenarbeit währte jedoch nicht lange; bereits 1998 warf
Pichler das Handtuch.
Krischanitz neu
Am 17. Jänner 2002
erhielt die Kunsthalle einen weiteren Raum: den "project space" am Karlsplatz,
dem der alte Container weichen musste. Adolf Krischanitz gestaltete den
gläsernen Pavillon, der mit 500 Quadratmetern Fläche kleiner ist als der frühere
Stahlträger-Bau (900 Quadratmeter). Gedacht ist der Kubus als Ort für
Experimente einer jungen Kunstszene. Zuletzt lief parallel zur heurigen
documenta 11 die Schau "Skandal und Mythos. Eine Befragung des Archivs zur
documenta 5 (1972)". Derzeit läuft bis 8. 12. noch das Video von der Performance
Santiago Sierras, in der 30 Menschen verschiedener Ethnien nach der Nuance ihrer
Hautfarbe geordnet Aufstellung nahmen.
Das weitere Schicksal des
abgerissenen Containers ist unbekannt. Er wurde jedenfalls an die Abbruchfirma
verkauft. Ob diese ihn verschrotten ließ, oder irgendwo als Lagerhalle
aufgestellt hat, weiß nicht einmal Architekt Krischanitz. (APA)