| Salzburger Nachrichten am 16. Mai 2006 - Bereich:
Publizist Günther Nenning ist tot
Günther Nenning ist in der Nacht auf Montag 84-jährig an seinem Tiroler
Alterssitz gestorben. Der Publizist starb "nach nicht allzu langer,
schwerer Krankheit", erklärte sein Sohn Leopold Nenning gegenüber dem
"Falter". Günther Nenning habe bis zuletzt geschrieben, "nur im letzten
Monat hat er dann kaum mehr gearbeitet". Spitzenpolitiker aus allen
Parlamentsparteien würdigten den Verstorbenen. Nenning, der Zeit seines Lebens immer für einen Wirbel zu haben war,
soll nach seinem letzten Wunsch von der Familie "in aller Stille"
außerhalb von Wien beigesetzt werden. Polarisierender Querdenker, grüne
Gallionsfigur, launiger "Club 2"-Gastgeber und Hans Dichands "linker
Verbinder" im Krone-Kolumnistenstab - Günther Nenning vereinte Gegensätze
in sich. Er selbst hat sich einmal als einen "Rot-Grün-Halbschwarzen"
bezeichnet und in den weltanschaulichen politischen Lagern des Landes
immer wieder gerne für ideologische Verwirrung gesorgt. Zuletzt hatte Nenning mit dem Literaturprojekt "Austrokoffer" für
Diskussionen gesorgt. Das Projekt sollte die österreichische Literatur
nach 1945 in 18 Bänden beinhalten. Allerdings waren dann 50
österreichische Autoren aus unterschiedlichen Gründen abgesprungen. Im
Krone-Konflikt zwischen Herausgeber Hans Dichand und dem WAZ-Konzern hatte
sich Nenning mit dem Titel "Die Krone muss österreichisch bleiben" auf die
Seite Dichands geschlagen. Würdigungen aus allen Parteien Bundeskanzler Schüssel erklärte, Österreich habe "einen seiner wachsten
und beherztesten Publizisten verloren, einen ebenso kritischen wie
volksverbundenen Schriftsteller und einen zutiefst sozial engagierten
Menschenfreund". Schüssel verwies auch darauf, dass sich Nenning noch im
letzten Jahr mit der 21-bändigen Anthologie "Landvermessung" ein Denkmal
gesetzt habe. "Es war ein letzter unvergessbarer Dienst an
österreichischen Literatur, die Günther Nenning seit 1945 mitgelesen,
mitgeschrieben und mitgefördert hat." Schüssel erinnerte auch an Nennings
langjähriges Wirken als Präsident der Journalistengewerkschaft: "Dass der
ÖGB einen Intellektuellen von Nennings Kreativität und Eigensinn nicht in
seinen Reihen dulden wollte, hat damals viele politisch Interessierte
bestürzt." SPÖ-Vorsitzender Gusenbauer betonte, "mit Günther Nenning verliert
Österreich einen volksverbundenen Intellektuellen und wichtigen
Querdenker. Günther Nenning wird dem Land fehlen." Gusenbauer verwies auch
auf die Verbundenheit Nennings mit der Gewerkschaftsbewegung und der
Sozialdemokratie. Er habe sich Zeit seines Lebens damit intensiv
auseinander gesetzt und in seiner streitbaren Art wichtige Impulse
gesetzt. "Ein Vordenker war Nenning in der Umweltpolitik. Er hat einen
großen Anteil daran, dass der Umweltschutz heute in Österreich einen
unbestreitbar großen Stellenwert besitzt", so Gusenbauer. Grünen-Bundessprecher Van der Bellen erklärte, "mit Günther Nenning ist
eine schillernde, streitbare Persönlichkeit gestorben. Den Grünen wird er
vor allem als Umweltaktivist und Publizist in Erinnerung bleiben, aber
auch als langjähriger, engagierter Vorsitzender der
Journalistengewerkschaft. Er hat Seite an Seite mit der Ökologiebewegung
gegen das Atomkraftwerk Zwentendorf und die Staustufe Hainburg gekämpft,
als Umwelt- und Demokratiefragen noch nicht populär waren." Eine Würdigung kam auch von FPÖ-Chef Strache: "Günther Nenning war ein
unkonventioneller Vor- und Nachdenker, der sich nie vor einen
parteipolitischen Karren spannen ließ und bis zuletzt Freude an fairer und
lebendiger Diskussion hatte." Der Wiener Bürgermeister Häupl betonte, "mit Günther Nenning hat unsere
Gesellschaft einen wirklich Streitbaren verloren, der uns besonders als
Umweltaktivist gegen die Atomkraft und gegen die Verbauung der Hainburger
Au in Erinnerung bleiben wird". Würdigungen kamen auch von Kunststaatssekretär Morak - "In Günther
Nenning spiegelt sich der Geist und der Zeitgeist der Zweiten Republik wie
in sonst keiner anderen Person in diesem Lande wider" - und von
Niederösterreichs Landeshauptmann Pröll - "Mit Günther Nenning verliert
die Dorferneuerungsgemeinde in Niederösterreich einen treuen Wegbegleiter
und einen unermüdlichen Kämpfer für die kleine Einheit." Auch die Journalistengewerkschaft trauert um Nenning. Dieser habe vor
allem "unschätzbare Verdienste" um den journalistischen Kollektivvertrag
erworben."Eine verstaubte, autoritäre Gewerkschaftsführung hat ihn aus der
Gewerkschaft ausgeschlossen, er wurde aber auf Druck der
Journalistengewerkschaft wieder voll rehabilitiert und schließlich wieder
aufgenommen", erinnerte Franz C. Bauer, Vorsitzender der
Journalistengewerkschaft. |