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| Wien |
| ‹ The
making of › in der EA Generali Foundation von Sabine B. Vogel |
| ‹Institut für Institutionskritik› wurde die EA Generali Foundation jüngst in einer Zeitung tituliert. Zu recht, denn bereits die Eröffnungsveranstaltung mit Andrea Fraser setzte den Richtungsweiser. |
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Kein Vermittler, sondern der Wiener Künstler Mathias Poledna bestimmt Ausstellungsgestaltung und Künstlerwahl. Der Titel stimmt schlagkräftig das zentrale Thema an: ‹The making of›. Produktionsbedingungen von Kunst, von Kultur, von Institutionen. Die Deckenverkleidung liegt gestapelt auf dem Boden. Vor der kantigen Bank steht ein Fernseher. Ein Italiener erzählt von einem italienischen Institut/Archiv für Sozialismus und Arbeiterbewegung. Kleine Modelle wiederholen die Räume en miniature und schlagen sozialromantisch verklärte Raum-Umnutzungen vor. Fotos von irgendwelchen Häusern, sicherlich aus dem Besitz der Versicherung, hängen in Bodennähe. Mitten im raumhohen Holzgerüst läuft ein als Trailer verkleidetes Video, das einige der Institutionsangestellten als Helden einer Vorabendserie vorstellt. Jetzt wissen wir für immer, wie das ausgewählte Personal Anfang 1998 hiess. Ihren Kunstbegriff umreissen die vier jungen Künstlerinnen (Dorit Magreiter) und Künstler (Simon Leung, Nils Norman, Mathias Poledna) als ‹Recherche am Vorgefundenen›. Eine hochgegriffene Bezeichnung. Gutgemeint ausgedrückt wäre von ‹Projektionen auf eine Kunstinstitution› zu sprechen. Nils Norman (New York) präsentiert seine zehnte Umwidmung von Ausstellungsräumen. Die Sammlung der Versicherung soll verkauft, das Geld zur Ausbildung von Umweltschützern ausgegeben und die Räume zur Zone von geldfreiem Tausch, einer Mushroom-Zucht, eines Möbelbasars etc. werden. Der EA Generali-Besitz interessiert auch Simon Leunge (Los Angeles). Haus für Haus, streng in der Reihenfolge der hauseigenen Broschüre zum Grundbesitz der Firma, hockte er sich zum harmlosen Dokumentationsfoto vor die Türen. ‹Squatting› ist sein eigentliches Thema, zu deutsch ‹hocken›, aber auch ‹hausbesetzen›... Die Tätigkeit der EA Generali Foundation ‹überblendet› Mathias Poledna mit der Mailänder ‹Fondazione Feltrinelli›. Überblendet? Im Raum steht ein artig geschnittenes und untertiteltes Dokumentationsvideo, in dem Hinweise auf Rückbezüge, Vergleiche oder gegenseitige Erhellungen zwischen beiden Institutionen versteckt sein könnten. Zweiter Teil seines Beitrags und ‹zentrales Element der Ausstellunggestaltung› ist die abgehängte Deckenverkleidung. Ob die an Minimal Art erinnernden, raumfüllend aufgestapelten Paneele auf die Arbeiterbewegung hinweisen sollen? Ob die freigelegte ‹eigentliche Aussenfassade› eine bisher verborgene Wahrheit beherbergt? Nein, dagegen spricht sich Poledna explizit aus. Es ist kein institutionskritischer Eingriff im Sinne bekannter Beispiele der 70er Jahre, sondern ein formaler Einfall: ein Lichtwechsel und ein rahmenabsteckendes ‹Display›. Der Rahmen – die Institutions-Verherrlichung? Ein ‹Display› für Magreiters 1:1-Reproduktion von TV-Serien-Plattitüden? Statt die Bedingungen kultureller Produktion zu artikulieren, vielleicht auch zu beeinflussen oder zu ändern, imitiert das ‹The Making of›-Team gängige kulturelle Klischees und Strukturen. Die Institution wird nicht kritisiert, nicht als ‹symbolisches Gefüge› in den Griff genommen, sondern gefilmt, nachgebaut, gefeiert. Was als ‹neue Sicht auf die Rohmaterialien gesellschaftlicher Übereinkünfte› angepriesen wird, stellt sich als höfliches Redesign einer ausgewählten Kunstinstitution heraus. Bis 12.4.1998 |
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| Ausgabe: | 04 / 1998 | |
| Institution: | Generali Foundation (Wien) | |
| Autor/in: | Sabine B. Vogel | |