Aus der Alten hatte Richard Lindner ein gewisses
Potential in die Neue Welt hinübergerettet und es dort dem Getriebe in
einer "Fun City" angepaßt. In Europa war er in Berlin und München vor
seiner Emigration nach Paris (1933) und seiner gelungenen Flucht nach New
York (1941) bereits als Graphiker und Illustrator tätig gewesen.
Seine Art der Verknappung und Stilisierung des Ausdrucks
in der Verbindung des Mechanischen mit dem Körperlichen hat Wurzeln wohl
schon in der Nürnberger Zeit des in Hamburg geborenen Künstlers. In
Nürnberg nämlich beschäftigte sich seine Mutter mit dem Verkauf
maßgeschneiderter Korsetts. An sie erinnert Lindners in modische
Accessoires eingezwängte, wie verpuppt oder gerüstet erscheinende
Personnage, wie er sie in den sechziger Jahren in New York entstehen ließ.
Die Galerie Hilger zeigt von ihm jetzt eine
kennzeichnende Auswahl von Bildern neben Lithographien, setzt einen
wichtigen Akzent jedoch vor allem auf eine reichliche Anzahl von
Entwürfen. Sie geben einen kennzeichnenden Einblick in die Art, wie sich
Lindner zu seinen emblematisch wirkenden Gestalten, vor allem den immer
wieder auftretenden Figurenpaaren, vorgearbeitet hatte. Ein frühes Blatt
aus dem Jahr 1960 mit dem Titel "Construction" läßt bereits alle sein
späteres Werk prägenden Bestandteile in ihrer graphisch-plakativen,
poppigen, einprägsamen Erscheinung erkennen. K. S.
Bis 2. März, Di. bis Fr. 10 bis 18, Sa. 10 bis 16
Uhr.
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