Artikel aus profil Nr. 22/2003
Kriegs-Bilder

In der Wiener Kunsthalle setzen sich 40 KünstlerInnen der medialen Vermittlung von Krieg aus.
Leider ist dieses Thema immer aktuell. „Kunst und Krieg in den Zeiten der Medien“, so der Untertitel der laufenden „Attack“-Ausstellung in der Wiener Kunsthalle, thematisiert Ikonografien und Symboliken von Kriegsbildern. Ausgangspunkt dafür war die Beobachtung, dass sich Kriege immer mehr in ein virtuelles Feld begeben, dessen Abstraktionsgrad eine unheilvolle Allianz eingeht mit populärkulturellen Phänomenen. Dabei stellte man sich die Frage, wie Kunst Gegenbilder zu den medial vermittelten Bildern produzieren kann – und diese damit hinterfragt oder bricht.

Eine der eindrucksvollsten Arbeiten der Schau (Kuratoren: Gabriele Mackert und Thomas Mießgang) ist ein Video-Loop von Sigalit Landau, die an einem Strand bei Tel Aviv einen Hula-Hoop-Reifen aus Stacheldraht um ihre Hüften kreisen lässt – ein subtiler Kommentar zum endlos andauernden israelisch-palästinensischen Konflikt. Selbstrepräsentation und Selbstbewusstsein von KämpferInnen reflektieren die Fotografien von Collier Schorr und Adi Nes, die Unsicherheiten und homosexuelle Konnotationen ausloten; Hans-Jörg Mayer lässt daneben Künstlerinnen und Theoretikerinnen Zeitungsfotos von Soldatinnen nachstellen. Tiefer in die Strukturen medialer Bilder blicken Martha Rosler und Richard Hamilton: Rosler mit ihren verwirrend montierten und so die Konvention von Narrativen hinterfragenden Nachdrucken von Zeitungsausschnitten; ein riesiges Hamilton-Bild von einem Fernseher mit Kriegsbildern dominiert den Raum. Einige Exponate weisen zwar wenig Berührungspunkte mit dem eigentlichen Thema auf, dennoch: Fragestellungen und Aussagen sind schlüssig.

Autor: Nina Schedlmayer


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