Das Metropolitan Museum of Art zeigt sich
mutig. Erstmals in der Geschichte des Hauses wird einem lebenden Künstler
die Ehre zuteil, in der Grossen Halle des Museums seine Arbeit zu zeigen.
In den Genuss dieses Privilegs kommt der 49-jährige deutsche Fotograf
Thomas Struth.
Breite Linse
Struth, berühmt geworden durch seine zahlreichen Aufnahmen von Museen
mit ihren Besuchern, zeigt hier rund 70 Arbeiten. Sein Oeuvre reicht von
frühen schwarz-weiß Aufnahmen von Straßenzügen in europäischen und
amerikanischen Städten bis zu Landschaftsaufnahmen aus Asien, Australien
und Südamerika in jüngster Zeit.
Porträts
Struth fotografierte aber auch Blumen, die in ihrer gesamten Farbigkeit
Momentaufnahmen des Vergänglichen darstellen. Seit der Mitte der 80er
Jahre entstanden Porträts von Einzelpersonen und Familien in schwarz-weiß
und in Farbe.
In jahrelanger Diskussion erarbeitete Struth mit den Dargestellten, wie
sie sich zu sehen wünschten und belichtete bis zu acht Sekunden. So
entstanden hypnotische Bilder, die einen gewissen Sog auf den Betrachter
ausüben.
Great Hall
Ähnliches wird den Rezipienten bei der Betrachtung der großen
Videoleinwand am Museumseingang, der Great Hall, wiederfahren. Hier sind
Filmporträts von Personen zu sehen, die unbeweglich in die Kamera schauen.
Nur an der Bewegung von Haarsträhnen durch den Wind, an einzelnen
Muskelzuckungen und an der Veränderung des Tageslichts kann der Betrachter
das Verrinnen von Zeit ermessen.
Neutralität als Handschrift
In Struths Personen-Porträts und seinen Museenbilder geht es immer
wieder um schauen, sehen und reflektieren. Diese scheinbar simplen
Prinzipien regen aber zum Nachdenken über Kunst und Personen an.
Fragen nach dem sozialen Status der Porträtierten, den
gruppendynamischen Implikatoren und dem Selbstverständnis der
Porträtierten tauchen auf. Der Künstler Struth tritt hinter diesen
Aufnahmen vollkommen zurück. Es ist fast eine neutrale Haltung, die der
Deutsche einnimmt. Eine Haltung, die er zweifellos bei seinen Lehrern
Hilla und Bernd Becher an der Düsseldorfer Akademie gelernt hat.
Filmserie
Parallel zu den Fotoarbeiten wird im Metropolitan Museum auch eine von
Struth kuratierte Serie mit Filmen von Kurosawa, Murnau und Fellini zu
sehen sein.
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