HB VENEDIG. Der 1954 geborene Schütte zeigt im Park der Giardini
della Biennale seine für ihn typischen architektonischen Skulpturen,
die - mal in Stahl, mal in Bronze - runde, imposante Frauenfiguren
darstellen. „Expressiv, kubistisch, klassisch, archaisch: All diese
Definitionen der Kunstgeschichte öffnen und vermischen sich unter
einem formalen Gesichtspunkt“, beschreibt der Ausstellungskatalog
das Werk des Deutschen. Schütte ist bei der Biennale auch mit
grafischen Arbeiten vertreten, denen er sich erst in den vergangenen
Jahren verstärkt zugewandt hat.
Die Auszeichnung für den besten Künstler unter 35 Jahren erhielt
Regina José Galindo aus Guatemala für ihre provokanten
Video-Performances. Die 1974 geborene Künstlerin, die heute in der
Dominikanischen Republik lebt und arbeitet, zeigt auf einem ihrer
Videos in Großaufnahme, wie sie sich ihr Jungfernhäutchen operativ
wiederherstellen lässt. Eine andere Performance zeigt Galindo nackt,
nachdem sie sich sämtliche Körperhaare abrasiert hat.
„Sie benutzt ihre individuellen Emotionen als artistische
Quelle“, heißt es über ihr Werk. Die Jury lobte „den eindringlichen
visuellen Eindruck“ Galindos. Beim Publikum dagegen sorgten die
Werke für Aufsehen. Der italienische Kulturminister Rocco
Buttiglione und auch der Kunstkritiker und Ex-Vize-Kulturminister
Vittorio Sgarbi übten scharfe Kritik an den obszönen Werken.
Der Löwe für den besten Länderbeitrag ging an den französischen
Pavillon. Er zeigt unter dem Titel „Casino“ ein Projekt, dass sich
auf drei Räume erstreckt und konnte sich mit dem Werk von Annette
Messager gegen 72 weitere Länderbeiträge behaupten. Inhaltlich geht
es um Themen wie Leben, Entwicklung und Erneuerung, die Messager
poetisch-spielerisch darstellt. Für ihre Installationen benutzt sie
banale Materialien wie Wollfäden, Netze und Kissen.
Den Ehrenlöwen für ihr Lebenswerk erhält die Amerikanerin Barbara
Kruger, die die Front des italienischen Pavillons mit gewohnt
provokanten Sentenzen gestaltet hat. Für das Publikum ist die 51.
Internationale Schau der Gegenwartskunst vom kommenden Sonntag an
zugänglich.
Die Schau wurde erstmals von zwei Frauen als Kuratorinnen - den
Spanierinnen María de Corral und Rosa Martínez - organisiert und
vereint Werke von 91 Künstlern. Zudem gibt es in diesem Jahr 73
Länderpavillons, so viele wie noch niemals zuvor. Der deutsche
Pavillon zeigt in diesem Jahr Werke der Nachwuchskünstler Thomas
Scheibitz und Tino Seghal.