
Wertsteigerung statt
Subventionen.

Bund und USFinanciers geben
fixe Zusagen für Ausbau.
Wien. MAK-Direktor Peter Noever steht
gern für polternde Wortspenden – dass ein noch lauteres Echo zurückkommt,
ist selten: Bei der Präsentation seines Projektes "Sammlung des 21.
Jahrhunderts" im MAK-Flakturm in Wien-Landstraße konnte er kritische
Journalistenfragen allerdings nur mit Mühe abwehren.
Dabei tat Noever nichts anderes, als ein Finanzierungsmodell
vorzustellen, wie es etwa im Wissenschaftsbereich längst üblich ist, wenn
etwa Universitäten selbst an Forschungseinrichtungen beteiligt sind, dort
Leute ebenso ausbilden, wie beschäftigen und damit (auch) kommerzielle
Interessen verfolgen.
Nicht zuletzt will sich das US-Financiers-Ehepaar Frederick und Laurie
Samitaur Smith an der Realisierung der Flakturm-Kunstsammlung beteiligen:
Die beiden sind bekannt dafür, mit ihrer "Samitaur-Foundation" Künstler
dadurch zu finanzieren, dass sie den Banken deren Werke als
Kredit-Besicherung anbieten und diese durch regelmäßige Evaluierung
ständig im Wert steigen.
Ähnlich will man auch die Sammlung im rund 13.000 Quadratmeter
Nutzfläche bietenden Gefechtsturm aufbauen. Die Adaptierung des Gebäudes
soll laut Konzept 20 Millionen Euro kosten, darin inkludiert sind die
Errichtung eines externen "Medien- und Versorgungsturmes", Restaurants,
Küche, Bar sowie Installationen von Jenny Holzer und ein "Skyspace" von
James Turell.
Förderfreier Betrieb
Turm-Eigentümer BIG (Bundes-Immobiliengesellschaft) übernimmt davon die
gesamte Elektro- und Klimatechnik-Installation im Wert von 2,04 Millionen
Euro, wie BIG-Sprecher Christoph Stadlhuber versicherte: "Langfristige
Investitionen in Kulturobjekte passen gut in unser Konzept."
Bund und Stadt Wien sollen jeweils weitere 3,5 Millionen Euro
übernehmen, die CAT-Betreibergesellschaft um Noever und den
Investmentbanker Johannes Strohmayer wollen – unter anderem mit Hilfe von
"Samitaur" – 8 Millionen aufbringen, die restlichen 2,98 Millionen sollen
durch Pächterinvestitionen hereinkommen.
Die "100 bis 120 Künstler aus aller Welt", die Noever danach zur
Produktion ihrer Werke einbringen will, sollen laufend eine "weltweit
einzigartige Sammlung zeitgenössischer Kunst in ebensolchem Ambiente"
produzieren, wobei Besucher zusehen dürfen. Der Betrieb selbst soll sich
durch Wertsteigerung der Werke, Eintrittskarten und "Sekundär-Kunstmarkt"
subventionsfrei erhalten.
Kritiker stoßen sich an der Verquickung "eines Museumsdirektors der
Republik Österreich, der eine teils frei finanzierte Sammlung mit unklaren
Eigentumsverhältnissen aufbaut". Noever kontert, ohne antiquierte
Subventionsmodelle müsse man eben neue, innovative Wege einschlagen.
Mittwoch, 16. November
2005