
Wien - Die Künstlerin Brigitte Kowanz erhält den Großen Österreichischen Staatspreis 2009, die höchste Kunst-Auszeichnung der Republik. Kowanz (Jahrgang 1957) ist die neunte Frau seit Bestehen des Preises, die mit diesem ausgezeichnet wird, hieß es am Dienstag in einer Aussendung des Kulturministeriums. Die Überreichung findet am 26. Juli in Salzburg statt.
Kowanz studierte an der Hochschule für angewandte Kunst und hat dort seit 1997 eine Professur für Medienkunst/Medienübergreifende Kunst inne. Sie gehört zu den bekanntesten Lichtkünstlerinnen ihrer Generation. Mit der Schriftstellerin Ilse Aichinger bekam zuletzt vor 14 Jahren eine Frau den Großen Österreichischen Staatspreis.
"Schöne Überraschung"
Als "schöne Überraschung" bezeichnete Kowanz in einer ersten Reaktion die Zuerkennung des Preises. Sie freue sich sehr über die "unerwartete Auszeichnung". Als höchster österreichischer Kunstpreis sei dies sicher ein "Höhepunkt". Aber "ich hoffe doch, dass mit meiner Arbeit und für meine Ausstellungen jetzt der Höhepunkt" noch nicht überschritten sei, so Kowanz.
Das Preisgeld von 30.000 Euro werde sie "in die Arbeit" investieren, sagte die Professorin der "Angewandten". Dass Kowanz erst die zweite bildende Künstlerin und insgesamt neunte Frau ist, die den Staatspreis zugesprochen bekommt, sei "eher spärlich", so die Künstlerin. Sie gehe jedoch davon aus, dass sie nicht deswegen ausgezeichnet wurde, sondern für ihre künstlerische Arbeit.
"Innovative Kunstform"
Als "wichtige öffentliche Anerkennung für das kreative Schaffen von Frauen" bezeichnete Kulturministerin Claudia Schmied am Dienstag die Zuerkennung des Staatspreises an Kowanz. Mit der Auszeichnung werde "eine innovative Kunstform gewürdigt", so Schmied in einer Aussendung.
Dass Kowanz auch in den Kunstsenat aufgenommen wurde, sei "ein wichtiges gesellschaftliches Signal", so Schmied. Brigitte Kowanz ist derzeit neben Friederike Mayröcker, Maria Lassnig und Ilse Aichinger die vierte Frau in dem 21-köpfigen Gremium. Die Aufgabe des Kunstsenats besteht darin, die Anliegen der Kunst in der Öffentlichkeit zu vertreten, die öffentlichen Stellen in wichtigen Fragen der Kunst zu beraten und Maßnahmen zur Kunstförderung und zur Bewahrung der kulturellen Substanz anzuraten. In seine Kompetenz fällt das Vorschlagsrecht für den Großen Österreichischen Staatspreis und das Vorschlagsrecht für die Berufung der Staatspreisträger in den Kunstsenat.
Bisherige Preisträgerinnen
Bisherige Trägerinnen des Großen Österreichischen Staatspreises waren die Autorinnen Martina Wied (1952), Imma von Bodmersdorf (1958), Ingeborg Bachmann (1968), Christine Busta (1969), Christine Lavant (1970), Friederike Mayröcker (1982), Ilse Aichinger (1995) sowie die Künstlerin Maria Lassnig (1988).
Der Große Österreichische Staatspreis ist mit 30.000 Euro dotiert und wird seit 1950 im Jahresrhythmus ohne festgelegtes Rotationsprinzip an österreichische Künstler der Sparten Literatur, Musik, Bildende Kunst und Architektur vergeben. Die Preisträger der vergangenen Jahre waren 2002 Heinz Karl Gruber in der Sparte Musik, 2003 Siegfried Anzinger im Bereich Bildende Kunst, 2004 Günther Domenig für Architektur, 2005 Hermann Nitsch für Bildende Kunst, 2006 der Komponist Georg Friedrich Haas und 2007 Josef Winkler in der Sparte Literatur. Im Vorjahr wurde der Bildhauer Karl Prantl ausgezeichnet. (APA/red)