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Mondsee Land-Art: Kunst an der frischen Luft

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Kunst wie vom Biobauern

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!Natur ist das, wohin Stadtmenschen am Wochenende atmen gehen. Und Land-Art ist das, was so aussieht, als wäre Mutter Natur unter die modernen Künstler gegangen (Stilrichtung: üblicherweise Minimalismus). Die Landwirtschaft gehört trotzdem nicht dazu. (Über die Ufo-Landespuren im Kornfeld könnte man ja eventuell reden.)
Im Mondseeland stehen jetzt auch schon seit geraumer Zeit die ersten vier Portionen Kunst an der frischen Luft (die Uferregion um den Mondsee und den benachbarten Irrsee wird sich aber noch "Nachschlag" holen). Gerade jetzt, wo viele auf der A1 unterwegs sind, um in Salzburg Kultur zu tanken, bietet es sich geradezu an, kurz vom Weg abzukommen und einen Blick darauf zu riskieren. Organisiert wird das Projekt vom Verein "mondsee land art", der zwei Kuratoren (Peter Assmann und Peter Volkwein) engagiert hat, um bekannte Künstler für das Land-Art-Projekt zu interessieren. (Bislang wurden die Entwürfe von Richard Nonas und Sjoerd Buisman realisiert.) Eine Jury ermittelte dann in einem Wettbewerb zwei weitere Preisträger (Daniel Zimmermann und Benoit Tremsal).
Die "Stoneline" von Richard Nonas in Loibichl (Abfahrt von der Bundesstraße Mondsee-Unterach beim Hotel Seehof auf dem Güterweg Seehof, zirka 300 m): zehn Kalksteinpaare in einer Linie, wie eine Prozession kultischer Steine aus vorgeschichtlichen Tagen, die dem Hügelschwung sanft folgen und die Erhabenheit der Gebirgskulisse unterstreichen. Nonas wirft den Bauern quasi die Steine wieder in die Wiese, aus der sie dereinst mühsam herausgeklaubt wurden. Freilich sind die Steinsbrocken so unübersehbar imposant, dass sie von keinem Rasenmäher versehentlich überfahren werden können.
Neben dem Badeplatz St. Lorenz am Mondsee: die "3-D-Strukturen" von Daniel Zimmermann. Seine 3-D-Betrachter könnte man für diese Ferngläser halten, in die man eine Münze einwirft und sofort sieht man die Gegend besser als mit freiem Auge. In diesem Fall blickt man aber direkt in 3-D-Dias, die dieselbe Aussicht zeigen, die man gerade vor sich hatte, nur dass hier eben zusätzlich 10.000 Holzstaberln zwanglos im Gras verteilt sind.
Noch weniger als Zimmermann kann man dem Naturschutz nicht in die Quere kommen: Er lässt sein Kunstwerk kurz einmal wie Mikadostäbchen fallen, verewigt es in der virtuellen Welt (auf 3-D-Dias) und packt es wieder ein. Ein reizvoller Beitrag zum Phänomen "Aussicht" (im Zeitalter der "virtual reality"). Beziehungsweise die Erinnerung an eine Aussicht. Daniel Zimmermann hat zwar nicht die Birken der Region oder gar die 150 Jahre alte Lindenallee abgeholzt und als handliches Brennholz über den Boden verstreut, es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass seine Installation eine Reaktion auf den ortsansässigen Baumbestand ist, auf den in den Wettbewerbsunterlagen fast schon aufdringlich hingewiesen wird.
Am Südufer des nahegelegenen Irrsees: "Phyllotaxis Irrsee" von Sjoerd Buisman, der die Blattstellung der Stangensellerie in Stein schwungvoll nachempfunden hat. Wie das Fossil einer "Mammutsellerie" von 12 m Durchmesser. Eine Art Vegetarierdenkmal, das aber trotzdem fürs Sitzfleisch gedacht ist. (Der Besitzer des Sitzfleischs soll sich kontemplativ in den Anblick des Irrsees versenken.)
Und schließlich hat der Rasen auf dem öffentlichen Badeplatz in Zell am Moos eine Gleichgewichtsstörung, jedenfalls ein quadratischer Teil davon: die "Gekippte Fläche" von Benoit Tremsal. Eine Ecke der 150m² Wiesenfläche hebt sich aus dem Boden, die gegenüberliegende Ecke des Quadrats sinkt ein. Auf überrumpelnde Weise unkompliziert und demonstrativ befremdlich.

Erschienen am: 29.08.2000

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