VON ARIANE
GRABHER
Feldkirch (VN) Rosa, das ist die zarte Verheißung einer Farbe,
Rot dagegen ihre Erfüllung. Und Rot, das war die Farbe, mit der der
Maler Harald Gfader nie konnte. Zumindest bis jetzt, denn eine
Ausstellung in der Galerie Sechzig in Feldkirch tritt nun den
Gegenbeweis an.
Im letzten Jahr hat er es bereits angetönt. Jetzt ist es so weit,
und die Welt scheint nur darauf gewartet zu haben: der Feldkircher
Künstler Harald Gfader lässt sich mit der Farbe Rot ein. Wie bei
Gfader üblich, ist es kein vorsichtiges Heranpirschen an die
verweigerte "Disziplin Rot". Mit den Gfader-typischen
Konstellationen aus Kopf und Raum, den Titel-Wortverstümmelungen und
den in einer St.Petersburger Hängung über die Wand verteilten
kleinen Bildern, bleibt er seinem Vokabular treu. Einmal mehr
thematisiert er in der Kombination von grafisch-gegenständlich und
farbmalerischem Programm Befindlichkeiten. Das Weglassen von
Physiognomie und damit Identität wird zur Metapher für die Auflösung
von Gesellschaft und Malerei. Doch wichtiger fast als die Themen
scheinen die Oberflächen. Dort befindet sich alles "im permanenten
Experimentalstatus", dort brodelt und blubbert es. Gfader erinnert
an einen Feuerschlucker im Umgang mit Farbe und Material, wenn er
die Leinwände mit Rasierschaum-Explosionen malträtiert und glatte
Lackschichten in Blasen werfende Mondlandschaften verwandelt.
Hintertürchen
Doch aller Herrlichkeit und den Gfader-Fans zum Trost: "Red" wird
für Gfader nie zum "red homeland". Er hat zwar den Beweis
angetreten, dass er ziemlich meisterlich mit Rot umgehen kann, lässt
sich aber dennoch ein Hintertürchen offen. Da gibt es kleine Exkurse
am Rand ins Gelb und vor allem die Flucht in die ganze Bandbreite
von Rot. Ähnlich dem Reifeprozess von Wein, kann "Rot" in einem
einzigen Bild das ganze Spektrum durchlaufen. Nachdem Farbe für
Harald Gfader mehr mit Musik, denn mit Symbolik zu tun hat, scheint
die Frage "Wieso Rot?" berechtigt. Hier holt der Künstler aus,
spannt einen Assoziationsbogen zu den manipulierten Bildwelten der
Kommunisten, beruft sich auf die philosophische Frage, ob im
Zeitalter digitaler Fakes die Malerei oder die Fotografie realer
bzw. wahrer sei, und landet wieder bei der Herausforderung, sich der
Farbe zu stellen.
Und so ist "Red" ganz einfach zu einem Manifest der Malerei
geworden.