VN Do, 4.12.2003

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Kultur 

Manifest für die Malerei

VON ARIANE GRABHER

Feldkirch (VN) Rosa, das ist die zarte Verheißung einer Farbe, Rot dagegen ihre Erfüllung. Und Rot, das war die Farbe, mit der der Maler Harald Gfader nie konnte. Zumindest bis jetzt, denn eine Ausstellung in der Galerie Sechzig in Feldkirch tritt nun den Gegenbeweis an.

Im letzten Jahr hat er es bereits angetönt. Jetzt ist es so weit, und die Welt scheint nur darauf gewartet zu haben: der Feldkircher Künstler Harald Gfader lässt sich mit der Farbe Rot ein. Wie bei Gfader üblich, ist es kein vorsichtiges Heranpirschen an die verweigerte "Disziplin Rot". Mit den Gfader-typischen Konstellationen aus Kopf und Raum, den Titel-Wortverstümmelungen und den in einer St.Petersburger Hängung über die Wand verteilten kleinen Bildern, bleibt er seinem Vokabular treu. Einmal mehr thematisiert er in der Kombination von grafisch-gegenständlich und farbmalerischem Programm Befindlichkeiten. Das Weglassen von Physiognomie und damit Identität wird zur Metapher für die Auflösung von Gesellschaft und Malerei. Doch wichtiger fast als die Themen scheinen die Oberflächen. Dort befindet sich alles "im permanenten Experimentalstatus", dort brodelt und blubbert es. Gfader erinnert an einen Feuerschlucker im Umgang mit Farbe und Material, wenn er die Leinwände mit Rasierschaum-Explosionen malträtiert und glatte Lackschichten in Blasen werfende Mondlandschaften verwandelt.

Hintertürchen

Doch aller Herrlichkeit und den Gfader-Fans zum Trost: "Red" wird für Gfader nie zum "red homeland". Er hat zwar den Beweis angetreten, dass er ziemlich meisterlich mit Rot umgehen kann, lässt sich aber dennoch ein Hintertürchen offen. Da gibt es kleine Exkurse am Rand ins Gelb und vor allem die Flucht in die ganze Bandbreite von Rot. Ähnlich dem Reifeprozess von Wein, kann "Rot" in einem einzigen Bild das ganze Spektrum durchlaufen. Nachdem Farbe für Harald Gfader mehr mit Musik, denn mit Symbolik zu tun hat, scheint die Frage "Wieso Rot?" berechtigt. Hier holt der Künstler aus, spannt einen Assoziationsbogen zu den manipulierten Bildwelten der Kommunisten, beruft sich auf die philosophische Frage, ob im Zeitalter digitaler Fakes die Malerei oder die Fotografie realer bzw. wahrer sei, und landet wieder bei der Herausforderung, sich der Farbe zu stellen.

Und so ist "Red" ganz einfach zu einem Manifest der Malerei geworden.

Die Ausstellung in der Galerie Sechzig in Feldkirch ist bis 26. Dezember zu sehen, Mittwoch und Freitag, 14 bis 18 Uhr.

Arbeit von Gfader: Im Zeitalter der Fakes ist die Malerei realer als die Fotografie. (Foto: A. Grabher)




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