Martin Behr
GRAZ (SN). Die Londoner Underground-Szene der 70er Jahre war sein kreativer Nährboden. Er arbeitete mit Filmemachern wie Derek Jarman oder John Maybury zusammen, bastelte an Sounds und Videos für Bands wie Throbbing Gristle, The Fall oder The Smiths. Im Grazer Kunsthaus stellt der 49-jährige walisische Künstler Cerith Wyn Evans mit seinen sparsam-sinnlichen Lichtobjekten gängige Wahrnehmungsmuster in Frage.
"Bubble Peddler" ("Seifenblasenhändler") nennt Evans seine auf den ersten Blick spartanisch wirkende Ausstellung im Inneren der dunkelblauen Kunsthausblase. Lichtquellen und Grünpflanzen sind die Bestandteile für ein poetisch inszeniertes Theater der Wahrnehmung, das den Besuchern Aufmerksamkeit, Zeit und Fantasie abverlangt.
Im Zentrum der Schau steht die fast zehn Meter lange Neonschrift-Installation "coloured chinese lanterns", mit der Cerith Wyn Evans die Betrachter in eine Twilight-Zone aus Unterbewusstsein und Traum, Intimität und Bedrohungsszenario entführt. Von der leuchtenden Textpassage zum stimmungsvollen Kronleuchter mit Morsefähigkeit: Die Lichter des blütengeschmückten Lusters senden einen Text über "Calibration und Sensitometry" aus, wie ein an der Wand montierter Flachbildschirm bestätigt. Hinter dem schönen Schein verbirgt sich noch eine zweite Ebene.
Verschlüsselung und Chiffrierung sowie die Verwendung von Text sind Markenzeichen des Künstlers, der weiland in der Avantgardefilmszene der "New Romantics" tätig war und mit Beginn der 90er Jahre sein Stilvokabular mit der Installation, der Fotografie und der Skulptur erweiterte. Mit seiner Kunst wolle Cerith Wyn Evans, dessen Werke bis 25. Februar auch im Münchner Lenbachhaus-Kunstbau zu sehen sind, "bewusst machen, dass auch das Unsichtbare wahrnehmbar ist".
Im Grazer Kunsthaus präsentiert der einstige Jarman-Assistent seine 1998 entworfene "Dreamachine", eine Licht-Pflanzen-Installation, die als Basislager für höchst subjektive Wahrnehmungsreisen zu verstehen ist. Evans betreibt damit auch Erinnerungsarbeit für den William-Burroughs-Weggefährten Brion Gysin, der als Pionier dieser psychedelischen Genussautomaten gilt. Sein reizvolles Neon-Palindrom "In Girum Imus Nocte Et Consumimur Igni" platziert Evans in der Kunsthaus-Needle. Vanitas-Symbolik mit Uhrturmblick (bis 13.Mai).






