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Herbert Brandl: Kleine Brüche mag er eben

19.01.2010 | 18:33 | EDITH SCHLOCKER (Die Presse)

Herbert Brandls neueste monumentale Serie – keine Berge! – in der Innsbrucker Galerie Thoman.

"Meine Bilder malen sich letztlich selbst", sagt Herbert Brandl. Auch die, die der Biennale-Teilnehmer von 2007 derzeit in der Innsbrucker Galerie Thoman zeigt. Eine Serie noch nie präsentierter Großformate – keine von ihm gewohnten Bergbilder. Er versuche, sich in seinen neuen Arbeiten völlig ohne Plan, als Suchender sozusagen, der Leinwand zu nähern, erklärt er. Besser gesagt, den Leinwänden, arbeitet Brandl doch an bis zu zehn Bildern parallel. Dabei versucht der inzwischen 50-jährige ehemalige „Junge Wilde“ ganz bewusst, sich nicht vom Reiz des Realistischen verführen, sich allein von der Farbe faszinieren zu lassen, um zwischendurch vielleicht ein realistisches Detail zu formulieren, das später wieder zum Verschwinden gebracht wird.

Seine Malerei sei eine Art von Actionpainting, beschreibt Brandl, Produkt eines eigenartigen Malflusses, mit dem Ziel, die Leinwand durch einen komplexen Prozess des Umschichtens, von Aktion und Reaktion, zu strukturieren. Eine zentrale Rolle spielt in der Kunst des ehemaligen Schülers von Peter Weibel an der Wiener Angewandten die Farbe, aufgetragen in expressivem Gestus. Ist sich Brandl doch sicher, dass erst die Spuren des Arbeitens das Bild ergeben.

Das Ergebnis sind ganz lichte und ganz düstere Bilder, andere wiederum wandeln in ihrer Buntheit nah an der Grenze zum allzu Gefälligen, zum Kitsch. Wer meint, dass Brandls Farbenwahl mit seiner jeweiligen persönlichen Gestimmtheit zu tun hat, irrt. Worum es ihm geht, ist das Ausreizen sämtlicher Nuancen zwischen Weiß und Schwarz. Und sollte das bisweilen zu bunt geraten, sei dies nur logische Konsequenz eines komplexen malerischen Prozesses.

Denn wirklich Zufälliges gebe es in seiner Malerei kaum, so Brandl, wenn er sich auch gern irgendwohin führen lasse, wo er noch nicht war. Aber die Entscheidung über jeden noch so kleinen Fleck liege letztlich doch immer bei ihm. Neben seinen neuen monumentalen Farbräumen zeigt Brandl bei Thoman auch ein kleines Bild, das völlig aus dem Rahmen fällt: das nicht wirklich gut gemalte Porträt seiner Katze. Warum tut er das? Nicht der Provokation wegen, sagt Brandl. Doch ein Bild wie dieses mache die Sache privater, lasse sie etwas kippen. „Und kleine Brüche mag ich ganz gern.“


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