Salzburger Nachrichten am 21. August 2003 - Bereich: kultur
GALERIENBLICK

GALERIENBLICK

Fotohof Salzburg

Das erlegte Wild liegt nicht im Gras. Im Bild, das um 90 Grad gedreht ist, scheint es zu stehen. Was Boden war, wird zur Wand, und der Tod blickt einem ins Auge. Die Polin Monika Wiechowska, die in Amsterdam lebt (sie unterrichtet an der Internationalen Sommerakademie für bildende Kunst), verwendet das Medium der Fotografie als Spiegel, in dem sich die Realität bricht.

Was verleiht den Arbeiten, die in der Galerie Fotohof zu sehen sind, Irritation und Zauber? Es ist zum einen die Wahl der Perspektive, wenn sie etwa dem Raum unter einem Bett eine bühnenartige Weite gibt, und es ist der sinnliche Umgang mit dem Licht, durch den sie die erotisch intime Szene eines sich zurück lehnenden, freizügigen Akts adelt. Da ist zum anderen auch der mit Bedacht gewählte Ausschnitt, der die Aufmerksamkeit des Betrachters auf Details lenkt. Sommersprossige Arme und Hände finden in dem gesprenkelten Muster der Tischplatte, auf der sie aufgestützt sind, einen "Spiegel". Schließ-lich begegnet man - zum Beispiel im frontalen Selbstporträt mit geöffneter Bluse und einer entblößten Brust - ikonografischen Anspielungen; in diesem Fall an den Milch spendenden Madonnen-Typus.

In den (Selbst-)Porträts erkundet Monika Wiechowska mit selbstbewusstem Einfühlungsvermögen menschliche Befindlichkeiten. Ihre Ausblicke in Landschaften erweisen sich als Einblicke in visionär anmutende Räume. Es ist die erste Ausstellung der Künstlerin in Österreich. (Bis 13. September) -ter