Dornbirn (VN-ag) Der Begriff "Oxymoron", das "Scharfdumme",
stammt aus dem Griechischen. Es bezeichnet die Zusammenstellung
zweier sich widersprechender Begriffe, sei es als Additionswort oder
als rhetorische Figur.
Wie bittersüß sich damit Kunst machen lässt, beweist der
Bildhauer Hubert Lampert in der Dornbirner Galerie "c.art". Material
und Farbe, Zufall und Gesetzmäßigkeit: das sind die Komponenten, mit
denen sich der Götzner in seinem Werk befasst. Mit der Konzeption
der so genannten "Informationsbänder" gesellen sich Objekte dazu,
die auf der Abstraktion und der Verdichtung von Wissensvermittlung
als codierte Information basieren. So entpuppen sich scheinbar
digitale Fassaden von Bar- bzw. Strichcodes in der Draufsicht als
lesbare, mitunter meterlange Schriftsätze oder mutieren zur
aktuellen Reihe der "Oxymoron"-Arbeiten.
Hassliebe
"Nein & Ja", "Hassliebe" oder"VerachtendesBegehren" - es gibt
eigentlich nur zwei Möglichkeiten, diese Arbeiten zu lesen. Befindet
man sich seitlich links davor, fügt sich das Schwarz und Weiß der
aus der Bildfläche ragenden Stege einer abstrakten Semantik folgend
zu einem Wort. Während sich hingegen von der rechten Seite eine
sinnliche Komposition aus Farbfeldern oder auch Strahlenbündeln als
Ansicht anbietet.
Ungleich spannender ist es aber, wenn man sich unmittelbar vor
dem Bild befindet, oder sich im Abschreiten einen Moment lang eine
Mischung aus Wort und Farbe ergibt. Sind einige der malerischen
"Rückseiten" an den Arbeiten aus dem Projekt "Herma L." orientiert -
den Buntstiftmalereien der autistischen Schwester des Künstlers, die
Kraft und Farbe in den grauen Alltag bringen Ö, so lesen sich die
"Vorderseiten" nicht nur als plakative Entwürfe, sondern auch als
nachdenklich stimmende Botschaften, wie der Satz aus der
Menschenrechtscharta der EU "Würde des Menschen, Recht auf Leben".
Nach demselben Prinzip verschmelzen in den
"Oxymoron-Portrait-Serien" zwei unterschiedliche Motive durch
Reflexion zu einem Bild. In der Durchmischung von Protagonisten aus
dem Bekannten- und Freundeskreis des Künstlers, sowie prominenten
Persönlichkeiten, entfalten diese Arbeiten eine eigene Realität, die
sie über den Rang von Spielereien und Tüfteleien hinaushebt.
Und so ganz en passant wird weiblich zu männlich, historisch zu
zeitgenössisch, wird Ingeborg zu Engelbert, Elsa verwandelt sich
unversehens in Alfons, und Jack London bekommt mit Stephan Alfare
ein literarisches Gegenüber zugewiesen.