VN Mi, 31.12.2003

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Kultur 

MEINUNG

War es ein gutes Jahr?

VON WALTER FINK

Der letzte Tag des Jahres, der Tag der alljährlichen Bilanz. Der Tag mit dem Blick zurück, der Tag auch, an dem man nach vorne sieht, an dem man auch Wünsche äußern darf. Selbst wenn man weiß, daß sie ohnehin kaum in Erfüllung gehen werden. Die erste Frage: War es ein gutes, ein für die Kultur dieses Landes gutes Jahr? Die zweite: War es ein spannendes in der Kulturpolitik dieses Landes? Das eine wahrscheinlich ja, das andere wahrscheinlich nein. Ganz einfach, weil sich in der Kunst so manches, in der Politik ziemlich wenig getan hat. Entgegen manch jammerhafter Äußerungen einzelner Künstler, die wohl mehr den eigenen Zustand als die Situation schildern, gab es beispielsweise in der Bildenden doch viel Erfreuliches zu vermerken. So zum Beispiel die nun öffentliche Präsenz des "Crash-Porsche" von Gottfried Bechtold im Skulpturenpark Dornbirn, den Ankauf seiner Signatur durch das Kunsthaus Bregenz, die Ausstellung und die Aktionen von Tone Fink im Kunsthaus, die Präsentation der "B-Pictures" von Peter Weibel bei der Berufsvereinigung. Die einen besinnen sich verstärkt des regionalen Geschehens, ohne damit die Internationalität zu vernachlässigen, die anderen gehen den umgekehrten Weg, ohne daß man sich dabei auf die Füße treten würde.

Stabilisiert hat sich ganz offensichtlich auch das Landestheater, das noch vor einigen Jahren mit finanziellen Nöten zu kämpfen hatte. Inzwischen schreibt man schwarze Zahlen, kann auf Besucherzuwächse verweisen. Ein Maß an Unsicherheit ist wohl auch dadurch gewichen, daß der Vertrag von Harald Petermichl ohne weiteres Aufsehen verlängert wurde, die Anfangsphase vom Umbau eines privaten in ein öffentliches Theater damit in ein normales Stadium getreten ist. Als Erfolg für Vorarlberg kann man - neben der persönlichen Leistung - wohl auch verbuchen, daß Christoph Eberle, der Leiter des Landesorchesters, eine ehrenvolle Berufung nach Salzburg erhalten hat. Erfreulich auch, daß diesem Orchester durch das exquisite Buch von Aldo Kremmel eine würdige, fast historische Aufarbeitung zuteil geworden ist. Besonders wichtig sicher auch, daß der Umbau der Festspiele nach der Ära von Alfred Wopmann mit der Berufung von David Pountney zum neuen Intendanten glücklich gelungen zu sein scheint. Das, was von ihm bisher als sein Programm vorgelegt wurde, läßt jedenfalls diesen Schluß zu. Andere personelle "Umbauten" stehen in den größeren Kultureinrichtungen des Landes derzeit nicht an.

Man könnte also zufrieden sein, ohne Zorn zurückblicken, vielleicht sogar guten Mutes in die Zukunft. Wenn da nicht die Kulturpolitik wäre, die derzeit mehr zum Einschlafen denn zur Auseinandersetzung neigt. Nicht zuletzt hat sich das in der letzten Sitzung des Vorarlberger Landtags gezeigt, in der sich die politischen Fraktionen geradezu zurückhalten mußten, um sich ob der wunderbaren Übereinstimmung nicht liebevoll zu umarmen. Das kann nicht der Sinn der Sache sein. Denn so großartig ist, bei aller Wertschätzung vor allem der finanziellen Gegebenheiten, die Kulturpolitik in Vorarlberg nun auch wieder nicht, daß es da nicht manches gäbe, über das zu diskutieren wäre.

Als jüngstes Beispiel sei lediglich die neue Besetzung der Kunstkommissionen angeführt, bei der man über einzelne Namen durchaus streiten könnte. Da sind Personen nominiert, die in anderen Interessensfeldern stehen, damit nahezu zwangsläufig in Interessenskonflikt geraten müssen. Wäre man bösartig, nein nicht einmal bösartig, nur etwas kritisch - und das dürften Oppositionsparteien doch sein, das dürften sogar Mitglieder der Regierungsfraktion, die etwa im Kulturausschuß sitzen, sein Ö, dann müßte man die Frage stellen, ob sich die Regierung mit solchen Nominierungen die Ruhe in Medien und Institutionen erhalten will. Eines scheint offensichtlich: Mit diesen Kommissionen will man sich nicht kritische Geister halten, sondern die Ruhe für sich selbst bewahren. Das aber sollte eine aufmerksame Kulturpolitik nicht so leicht geschehen lassen. Schon gar nicht in einem neuen Jahr.

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Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen. Auf Wunsch des Autors erscheint sie in der alten Rechtschreibung.




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