Kultur

Picasso im kalten Keller

03.02.2007 | SN
Wegen Geldmangels und inkonsequenter Politik drohen wertvolle Gemälde in mazedonischen Museen zu vermodern. Auch die EU scheiterte mit Projekten. MARINA KöNIG

Marina König Skopje (SN-n-ost). Die riesigen Schimmelflecken auf dem Boden des Museums für zeitgenössische Kunst sind nicht etwa eine Installation von Joseph Beuys, sondern völlig unerwünscht. Zakharinka Aleksoska-Baceva, Kuratorin des Museums in der mazedonischen Hauptstadt Skopje schüttelt entsetzt mit dem Kopf. An mehreren Stellen tropft das Wasser von der Decke. Dem Museum fehlt das Geld, um die Reparatur durchzuführen, und so fristet die beeindruckende Kunstsammlung seit dreizehn Jahren ein Dasein im Magazin des Museums.

"Unser Museum wurde unmittelbar nach dem verheerenden Erdbeben in Skopje 1963 errichtet", erzählt Aleksoska-Baceva. "Um der zerstörten Hauptstadt zu helfen, spendeten damals 61 Länder rund 3000 Werke der zeitgenössischen Kunst. Zu unserer Sammlung gehören Werke von Pablo Picasso, Vasarely, Hartung, Sol LeWitt, Georg Baselitz, Jasper Johns, David Hockney und vielen vielen anderen."

Einst Zeugnis der Solidarität mit der zerstörten Stadt, sieht das Museum heute geradezu gespenstisch aus. Nur in einem Raum im Erdgeschoß finden von Zeit zu Zeit kleinere temporäre Ausstellungen statt, die oft als Projekte der in Skopje ansässigen ausländischen Kulturinstitutionen veranstaltet werden.

"Museen bekommen leider sehr wenig Geld", sagt Kuratorin Aleksoska-Baceva, "und oft werden die vorgesehenen Budgetmittel falsch verteilt. Vom Staat werden hauptsächlich Präsentationen finanziert, das heißt, Ausstellungen hier und im Ausland, Reisen und Kataloge. Doch für das Wichtigste, nämlich Einkauf und Restaurierung, haben wir nur sehr wenig Geld."

Alle mazedonischen Museen sind von Finanzproblemen geplagt. So stehen zum Beispiel im Nationalmuseum 400 wertvolle und zum Teil restaurierungsbedürftige Ikonen in einem Magazin, das ständig unter Wasserschäden leidet. Rund hundert andere Ikonen sind in einem Raum ausgestellt, der mehrere Jahre, je nach Wetter, entweder unterkühlt oder überhitzt war. Eine von der EU finanzierte Klimaanlage hat wenig genützt - nach einem Dachschaden stand mitten im Raum ein Plastikkübel, um so das tropfende Wasser von der undichten Decke aufzufangen.

Zahlreiche Versuche sind mittlerweile unternommen worden, um das Museumsmanagement auf einen modernen Stand zu bringen. Vor zwei Jahren holte die von George Soros finanzierte Open Society Foundation Experten aus weltweit bekannten Museumseinrichtungen nach Mazedonien. Die erstellten Gutachten und umfangreichen Vorschläge verschwanden zum Großteil in den Archiven.

Während das Kulturministerium die frühere Regierung für die Probleme verantwortlich macht, glaubt die Europäische Kommission, dass die Probleme an der inkonsequenten Personalpolitik in den jeweiligen Institutionen liegen. Um das junge EU-Kandidatenland für die Mitgliedschaft fit zu machen, finanziert die EU das Training von Beamten aus allen Bereichen des öffentlichen Diensts.

Politische Besetzung wichtiger als Experten "Wir haben viele Projekte im Kulturbereich implementiert, entweder zur Stärkung kultureller Institutionen oder um in konkreten Bereichen Hilfe zu leisten", erzählt Nafi Saracini von der Delegation der Europäischen Kommission in Mazedonien. "Leider musste diese Unterstützung eingestellt werden, da die meisten leitenden Stellen in Kulturinstitutionen politisch besetzt und an Leute verteilt werden, die mit Kultur sehr wenig am Hut haben. Und da es in Mazedonien oft zum Machtwechsel kommt, sind all die von der EU geschulten Menschen wieder ausgewechselt worden."

So wurden seit den Parlamentswahlen im Sommer des vergangenen Jahrs hunderte von Beamten versetzt. Allein das Mazedonische Nationalmuseum erlebte in den letzten sieben Jahren schon fünf Direktoren. Die verhängnisvolle Rolle der Politik beweist das neue Regierungsprogramm. Acht Millionen Euro werden in diesem Jahr für Kultur zur Verfügung gestellt. Doch der Großteil ist bereits verplant - für den Bau eines Museums zu Ehren der regierenden konservativen Partei.

Es gibt auch gute Nachrichten. Was das Gebäude des Museums für die Zeitgenössische Kunst angeht, so braucht sich die neue Regierung keine Sorgen mehr zu machen, sagt der Pressesprecher des Kulturministeriums auf Anfrage. Die italienische Regierung habe nämlich jetzt für die Reparatur des Gebäudes rund 300.000 Euro bereitgestellt. So werden die berühmten Werke wohl bald wieder zur Schau gestellt werden können. Und das Dach wird hoffentlich halten, zumindest bis zum nächsten Regierungswechsel.

Archiv
Salzburg: Stadt SalzburgFlachgauTennengauPongauPinzgauLungau
Nachrichten: InnenpolitikWeltpolitikSportWirtschaftChronikKulturHiTecimBildZeitung
Interaktiv: DebatteBlogsVideoBabybilder WizanySalzburgwiki
Freizeit: VeranstaltungenKinoMusikSpieleReisenWetterHoroskopGewinnspiele
Marktplatz: KarriereImmobilienMotorJobloungePartnerbörsePreisvergleichShopping Mall
SN-Service: Archiv Abo AnzeigenpreiseOnline Werbung MediadatenSN Saal Wir über uns
Salzburger Woche Service: Anzeigenpreise Kontakt
Leseliste löschen Gelesene Artikel löschen