
Galerie Mezzanin, 1010 Wien, Getreidemarkt 14. Bis 13. 11.

In
den 1960er-Jahren wurden Sofortbilder noch wie kleine Wunder bestaunt.
Mittlerweile wurde das Medium von der digitalen Fotografie überholt und
seine Produktion eingestellt. In der Ausstellung "Gizmo" wirft
Christian Mayer entlang des veralteten Mediums allerdings noch einmal
sehr aktuelle Fragen zur Medialität von Wirklichkeit auf.
Im Mittelpunkt stehen zehn Bilderrahmen, in denen der Künstler eine Sammlung von Polaroids präsentiert. Auf Ebay ersteigert, zeigen die sichtlich vergilbten Polaroids Aufnahmen indigener Bewohner eines Urwalddorfes, die einzeln, in der Gruppe oder aber auch zusammen mit Europäern abgebildet sind. Unterbrochen werden die szenisch zusammengestellten Serien durch Polaroids, von denen man nur die schwarze Rückseite sieht.
Es handelt sich dabei um jene Bilder, die verraten würden, dass es sich bei der Serie um die Dokumentation von Filmdreharbeiten handelt. Der Film "The Mission" (1986) thematisierte den Genozid am Volk der Guarani im 18. Jahrhundert. Das historische Ereignis korrelierte insofern mit der Gegenwart der 1980er-Jahre, als dass damals kapitalistische Großkonzerne die dörflichen Strukturen jenes kolumbianischen Stammes bedrohten. Hintergrundwissen, das freilich auf der Bildebene nicht in Erscheinung tritt; allerdings führt die irritierende Vermischung von Dokumentation und Fiktion - von filmischer Inszenierung und den Authentizität suggerierenden Polaroids zur Frage, wen und vor allem was man auf den Bildern eigentlich sieht.
Dass das "Eigentliche" irgendwo zwischen den Bildern liegt, macht die Videoarbeit Gizmo (dt. Dings) auf etwas weniger analytische, aber dem Medium Polaroid durchaus adäquate Weise deutlich: Zu sehen ist ein TV-Auftritt von Ted Serios von 1968, in dem dieser versucht, dem Publikum vorzuführen, wie er statt der Realität einfach gleich die Bilder aus seinem Kopf auf den Sofortbildfilm überträgt. (cb / DER STANDARD, Printausgabe, 17.9.2008)
