12.12.2002 18:56
Ehrenringe der "Angewandten" erstmals
verliehen
Wiener Kunsthochschule würdigte Maria
Lassnig, Peter Gorsen, Hans Hollein und Wilhelm Holzbauer
Wien - Zu einer Feierstunde lud der Rektor der
Universität für angewandte Kunst Wien, Gerald Bast, am Donnerstag in das Wiener
MAK. Erstmals zeichnete die "Angewandte" "hervorragende Persönlichkeiten, die in
einem besonders verdienstvollen Naheverhältnis zur Universität stehen" mit
Ehrenringen aus. Erste Ausgezeichneten sind die Malerin Maria Lassnig (83), der
Kunsthistoriker Peter Gorsen (69) sowie die Architekten Hans Hollein (68) und
Wilhelm Holzbauer (72).
Die Geehrten zählten "zweifellos zu den
bedeutendsten Persönlichkeiten auf dem Gebiet der Bildenden Kunst, der
Kunstwissenschaft und der Architektur" weltweit, meinte Rektor Bast, sie hätten
als Lehrer und Mitgestalter der Universität auch "Generationen von Studierenden
geprägt". Bis auf Gorsen sind die Ausgezeichneten alle als
Universitätsprofessoren emeritiert. "Die 'Angewandte' will damit ein sichtbares
Zeichen des Dankes und der Anerkennung setzen", so Bast über den neu
geschaffenen Ehrenring.
Laudationes
"Maria Lassnig zählt
zum Urgestein der Kunst des 20. Jahrhunderts in Österreich", meinte Laudator
Adolf Frohner, der in seiner Rede den "schwierigen Weg vom Bauernkind zur
Biennale-Teilnehmerin und zur Hochschulprofessorin" nachzeichnete und den
Begriff der Authentizität als Schlüsselwort für Lassnigs Schaffen hervorhob:
"Sie ging immer eigene Wege, unerschütterlich." Lassnig hätte nie Scheu gehabt,
sich in ihren Werken selbst öffentlich auszustellen, "schonungslos, ohne die
Attitüde der Eitelkeit", und hätte Studenten stets ermuntert, "wie sie selbst
auf die Suche zu gehen".
Klaus Albrecht Schröder würdigte Peter Gorsen
als "einen der bedeutendsten Grenzgänger der Kunstgeschichte und der Ästhetik":
"Es ist die Entästhetisierung der Kunst, die wie ein roter Faden Gorsens Bücher
und Vorträge durchzieht". "Das Prinzip Obszön" (1969 erschienen) nannte Schröder
"das wirkungsmächtigste Buch Gorsens", der in der Folge auch immer wieder als
"Gerichtsgutachter" etwa das Werk von Jean Genet oder Henry Miller verteidigt
hätte und sich für Kunst und Wahn ebenso interessiere wie für Transgender
Art.
"Hans Hollein ist einer der wenigen wirklich weltberühmten
Architekten Österreichs", meinte Wolf D. Prix, der in seiner Laudatio aber
weniger das architektonische Werk von Österreichs bislang einzigem
Pritzker-Preisträger würdigte, als sein Wirken als Universitätslehrer. "Es ist
nicht selbstverständlich, dass große Architekten ihr Wissen an junge Menschen
weitergeben."
Rudolf Burger schließlich nannte Wilhelm Holzbauer einen
"großen Architekten mit Sinn für Raum und Größe". "Er hat etwas Fürstliches an
sich, als Mann, als Architekt, und er hatte es als Rektor und als Lehrer."
Holzbauers Architektur hätte in all ihrem Pathos, was nichts anderes als
Leidenschaft bedeute, stets ihren Ursprung in einer Handskizze und nicht in
einem Computer-Entwurf. Der Begriff, der ihm, Burger, am treffendsten scheine,
wenn er an Holzbauer denke, wäre der einer "sensiblen Strenge". (APA)