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"Der Stein und ich" - Bildhauer Karl Prantl wird 80

Mit "Meditationssteinen" und sanfter, abstrakter Formensprache zur internationalen Anerkennung - Organisator internationaler Symposien - Geburtstag am 5. November.

Wien (APA) - Wenn der burgenländische Bildhauer Karl Prantl am Stein arbeitet, dann vermeidet er "auf der Suche nach der Abstraktion" zwar konkrete, figurale Formen - an die politische Dimension seiner Arbeit hat er aber immer geglaubt. Einerseits durch seine "Meditationssteine", die er als "Vehikel, als Mittel zur Findung des Geistigen" begreift, andererseits durch konkrete Aktivitäten wie das internationale Bildhauersymposium in St. Margarethen. Am kommenden Mittwoch (5. November) feiert Prantl seinen 80. Geburtstag. ORF 2 strahlt aus diesem Anlass am 9. November (23.15 Uhr) erstmals das gelungene Filmporträt "Die Steinspur" aus.

Während der andere große politische Bildhauer Österreichs der vergangenen Jahrzehnte, Alfred Hrdlicka, seinen Skulpturen die rohe Gewalt der verarbeiteten Ereignisse wie der manuellen Bearbeitung des Materials buchstäblich eingehämmert hat, bestechen die Steine Prantls durch sanfte, organisch wirkende Formen. In seinen "Zwiesprachen mit dem Stein" gestaltet er fein polierte Einbuchtungen und Auswüchse oder macht Durchblicke möglich. Die Arbeit ist für ihn kein Ringen, sondern eine sinnlich-spirituelle Auseinandersetzung mit dem Naturmaterial Stein, das "ein Wesen ist wie Sie und ich und wir alle".

Karl Prantl wird am 5.11.1923 in burgenländischen Pöttsching geboren, wo sich - neben Wien - auch heute noch Atelier und Wohnort befinden. Im Zweiten Weltkrieg ist er als Soldat u.a. auf Kreta eingesetzt. 1946-52 studiert er an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Albert Paris Gütersloh Malerei, wendet sich jedoch bald der Bildhauerei zu. Im Winter 1950/51 entstehen die ersten Skulpturen. Prantl richtet sich eine Werkstatt im elterlichen Haus ein. 1958 arbeitet Prantl erstmals länger im Steinbruch St. Margarethen, der seine weitere Tätigkeit stark bestimmen wird. Im Auftrag der burgenländischen Landesregierung meißelt er einen "Grenzstein". Dieser wird später Jahrzehnte lang in Nikolsdorf an der österreichisch-ungarischen Grenze stehen.

1959 organisiert Prantl das erste internationale Freiluft-Bildhauersymposium im Steinbruch St. Margarethen. Dabei steht neben dem Erfahrungs-Austausch mit Kollegen aus aller Welt - die später nach Prantls Vorbild häufig auch in ihren Heimatländern ähnliche Treffen organisieren - immer auch eine politische Intention im Vordergrund. Den "Eisernen Vorhang" bekämpft er von Anfang an, ebenso wie die Berliner Mauer: Von September 1961 bis August 1962 versucht er auf dem Platz der Republik gemeinsam mit Kollegen der neu errichteten Mauer mit Skulpturen eine humane Botschaft entgegenzusetzen: "Wir haben probiert, die Mauer zu Fall zu bringen."

1965 bezieht Prantl, dessen beide Kinder sich ebenfalls künstlerisch betätigen (Tochter Katharina ist Malerin, Sohn Sebastian Tänzer und Choreograph), im Wiener Prater ein Atelier in einem ehemaligen Gebäude der Weltausstellung, das ihm noch immer als Wiener Stützpunkt dient. Internationale Würdigungen erfährt Prantl, zu dessen bekanntesten Werken der "Nürnberger Kreuzweg" aus Steinplatten der Aufmarschstraße des NS-Reichsparteitagsgeländes zählt, in zahlreichen internationalen Ausstellungen. 1986 war er Österreichs Vertreter bei der Biennale in Venedig.
2003-10-29 12:03:49