Aufgerissene Böden, Scharen von
Handwerkern, Gerüste und Staubwolken in den Räumen: So sieht es derzeit
noch im Inneren der Wiener Albertina, einer der weltweit bedeutendsten
Kunst-Sammlungen, aus. Es wird fieberhaft an der Restaurierung - der
ersten seit über 100 Jahren - gearbeitet. Denn im März 2003 soll die
Albertina wiedereröffnet werden.
"Die öffentlich zugänglichen Bereiche werden sicher in einem Jahr
fertig sein. Die Verzögerungen, die wir in Kauf nehmen mussten - ich stehe
voll hinter der Burghauptmannschaft, die diese Entscheidungen getroffen
hat - sind auf archäologische Funde zurückzuführen gewesen. Sie wurden
dort gemacht, wo sich heute die unterirdische Wechsel-Ausstellungshalle
befindet", erklärt Direktor Schröder im Gespräch mit kultur.ORF.at zur
aktuellen Bausituation der Albertina.
Baustopp nötig
"Es war klar, dass nur ein völliger Baustopp eine umsichtige und
wissenschaftlich seriöse archäologische Ausgrabung dieser 130 Gräber mit
Goldfunden aus dem zweiten bis vierten Jahrhundert ermöglichen konnte", so
Schröder.
Prunkräume für Rahmen-Programm
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| Der große Festsaal / ©Bild:
Albertina |
In den historischen Prunkräume der Albertina werden künftig keine
Ausstellungen mehr stattfinden. Sie sollen in Zukunft für verschiedene
Veranstaltungen wie z.B. für Lesungen, Vorträge oder Konzerte genutzt
werden. Nach Fertigstellung werden sie erstmals auch für die
Öffentlichkeit zugänglich sein.
Goldkabinett
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| Das Goldkabinett / ©Bild:
Albertina |
Einer der prunkvollsten,
wenn auch nicht größten Räume des Palais, das etwa acht Quadratmeter große
Goldkabinett - mit Gold und Spiegeln ausgelegt - ist bereits fertig
restauriert. Auch dieser Raum wird künftig für Veranstaltungen - wie die
anderen Prunkräume - gemietet werden können.
Für die Vergolderarbeiten im Palais wird übrigens bis heute eine eigens
gemischte Legierung verwendet: das so genannte Albertina-Gold. Diese
24-karätige "Spezial-Mischung" besteht aus 23 Karat reinem Gold sowie
einem Karat Silber und Kupfer.
Aufwändige Restaurierung
Wie aufwendig manche Arbeiten sind, beleuchtet ein Beispiel: so
benötigt mitunter die völlige Restaurierung nur einer Fenster-Verschallung
- von der Abnahme der Ornamente bis zur Neuvergoldung - etwa zwei Monate.
Kostenpunkt: etwas mehr als 10.000 Euro.
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| ©Bild:
Albertina |
Notwendige Adaptierung
Die Albertina ist aber nicht nur eine Sammlung, sondern auch ein
Museum: "Die Besucher-orientierte Ausstellungs-Politik bedarf eben auch
einer Adaptierung im Gebäude. Es gibt zwei, drei große flexible und
unterschiedlich zugeschnittene Ausstellungshallen.
Rekonstruierte Fassaden von 1865
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| Ansicht der historischen Fassade, 1865 /
©Bild: Albertina |
Nun werden auch die Fassaden des Albertina-Palais' aus dem Jahr 1865
rekonstruiert. Damit wird die stark vereinfachte Beton-Architektur der
50er Jahre mit ihren massiven Balkonen entfernt und die ursprüngliche
Geschoss-Einteilung des historischen Baus wieder sichtbar gemacht.
Der Eingang in das Palais wird wieder auf die Bastei - in das
eigentliche Erdgeschoss - verlegt. Im Rahmen der Arbeiten werden u.a. auch
die Balkone ihre ursprüngliche Dimension und Lage zurück erhalten.
Holleins modernes Entree
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| Das Hollein-Modell / ©Bild:
Albertina |
Zum anfänglich umstrittenen neuen Albertina-Eingang, den Schröder als
"Landmark" sieht, meint er: "Ich bin guter Dinge, da dieses Bauwerk jetzt
schon von vielen heftig akklamiert und als eines seiner wichtigsten
Projekte angesehen wird. Übrigens wird es ja zur Gänze privat finanziert.
Es fließen also keine öffentlichen Mittel in den modernen Albertina-Zugang
Holleins."
Unterirdische Erweiterungsbauten
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| ©Bild: Anna
Blau |
Die Besiedlung des bereits
fertig gestellten neuen Studiengebäudes der Architekten Erich Steinmayr
und Friedrich Mascher, einem "unsichtbaren" viergeschoßigen Bau, der in
die einstige Bastei hineinversetzt wurde, beginnt hingegen bereits Ende
April.
Denn die Albertina thront als größtes ehemaliges habsburgisches
Wohnpalais Wiens auf einer Bastei der mittelalterlichen Stadtmauer.
Depot und Halle
In diese Reste der Stadtmauer wurden anschließend an das Studiengebäude
auch ein Hochsicherheitsdepot sowie eine ebenfalls unterirdisch liegende
Ausstellungs-Halle gebaut.
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| ©Bild: Anna
Blau |
Das 3.500 Quadratmeter große Studiengebäude ist - obwohl in die Erde
"eingegraben" - bis ins vierte Untergeschoss mit Tageslicht durchflutet.
Es hat einen großzügigen Innenhof sowie eine raffinierte Glas-Überdachung,
die das Tageslicht blendungsfrei bis zum eigentlichen Bodenniveau
leitet.
Moderne & Mittelalter
Im neuen Studiengebäude werden die Restaurierwerkstätten, die
Bibliothek, die Buchbinderei, die Repro- und die Fotografie-Abteilung
sowie der externe und der interne Studiensaal untergebracht sein.
Und auch ein Stück mittelalterliches Wien ist hier - allerdings nicht
öffentlich zugänglich - zu entdecken: der erhaltene Augustinerturm wurde
in den Bau integriert.