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Kunsthalle Krems: "An einem heiligen Fluss in Afrika"

Als afrikanische Göttin verehrt

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Mit der Ausstellung "An einem heiligen Fluss in Afrika" widmet sich die Kunsthalle Krems derzeit einer der bekanntesten heimischen Künstlerinnen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Susanne Wenger.

Das österreichische Webverzeichnis! 1915 geboren, ging Wenger nach ihrem bekannten Intermezzo nach 1945 im avantgardistischen Art-Club Wiens schon 1949 nach Paris und 1950 nach Nigeria in das Stammesgebiet der Yoruba, die sie zur Priesterin erhoben haben. Sie wird auch als "weiße Göttin an einem Fluss im tiefsten Afrika" verehrt und hat mit ihren riesigen Bauten und Skulpturen die heiligen Haine von Oshogbo wieder erstehen lassen. Gemeinsam mit einer Künstler- und Priestergruppe sind diese Schreine und Baum-Heiligtümer am Fluss Oshun seit 1960 entstanden; seit 55 Jahren versucht die Künstlerin nun die Yoruba-Götter gegen die unaufhaltsame Globalisierung zu verteidigen und ist damit Künstlerin und Botschafterin durch ihre weltweiten Ausstellungen.

Ausgangspunkt Surrealismus

In ihren nun bald 90 Lebensjahren hat sie nach der Nazidiktatur, in der sie als "entartet" galt, vom Surrealismus ausgehend, mit dem sie die Phantastischen Realisten nachhaltig prägte, bis zu ihren mythischen Abstraktionen einen völlig einmaligen Stil entwickelt, der sich selbst in der komplizierten Batik-Malerei-Technik widerspiegelt. Kurator Wolfgang Denk hat ungeheuer einfühlsam ihre wichtigsten Bilder neben eine große Batik-Leinwand und eine Bühne mit Holzskulpturen ihres afrikanischen Umfeldes platziert; ein wandfüllendes Schwarz-Weiß-Foto von den behauenen Monumental-Baum-Schreinen zeigt auch ihr Arbeitsfeld "An einem heiligen Fluss in Afrika".

Dem Paradies verschrieben

Daneben hat Denk im Haus neben der Factory in Krems eine Susanne-Wenger-Stiftung mit angeschlossenem Archiv eingerichtet, in der die wichtigsten Arbeiten, Fotos, Skizzenblöcke usw. nun gelagert und wissenschaftlich bearbeitet werden. Das Paradies, dem Kunst und Leben der Wenger sich völlig verschrieben haben, lässt den Blick auf das schier Unmögliche lenken: manche Menschen schaffen sich und anderen mit ihrer Inspirationskraft tatsächlich ein Arkadien oder Utopia auf
Erden. Die schon zu Lebzeiten in Afrika vergöttlichte Künstlerin Wenger gehört zu diesen; so gesehen ist diese Ergänzung zur Ausstellung "Sehnsucht nach dem Paradies" im zentralen Hauptraum der Kunsthalle Krems ein heutiges Gegenstück zum schönen Verlust des 19. Jahrhunderts. Bis zum 24. Oktober ist die Schau noch zu sehen.

Erschienen am: 27.08.2004

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