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23.01.2007 - Kultur&Medien / Ausstellung
Die "Insel des Glücks"
VON ALMUTH SPIEGLER
Expansion der Museen. Guggenheim und Louvre gehen nach Abu Dhabi, das Centre Pompidou nach Schanghai.

D
ie "Mona Lisa" brät in der Wüste. Manets "Seerosen" blühen in einer künstlichen Oase. Und dazu wird womöglich noch die "Saliera" als Sundowner serviert.

Wer die Vereinigten Emirate bisher nur mit spektakulären Luxushotels und prassender Scheich-Exotik assoziiert hat, wird umdenken müssen. Ein bisschen jedenfalls. Denn zurzeit scheint dort alles dafür getan zu werden, zu westlichem Lebenskomfort auch noch westliche kulturelle Identität im Tourismusprospekt anbieten zu können.

Nach dem bekannt aggressiv expandierenden "Guggenheim Museum" hat nun auch das größte Museum der Welt, der Louvre, verlautet, sich auf eine Art Franchise-Vertrag mit Abu Dhabi einlassen zu wollen. 700 Millionen Euro sollen den Vereinten Emiraten der prestigeträchtige Name, die 400 bis 500 Leihgaben (Gemälde, Skulpturen, Antiquitäten, Juwelen etc.) sowie die wissenschaftliche Beratung für die Dauer von 20 Jahren wert sein. Als Architekt für den 24.000 Quadratmeter großen Neubau ist Jean Nouvel im Gespräch. Der Vertrag mit der französischen Regierung wird vermutlich Ende Jänner unterschrieben.

Eine Nachricht, die in den vergangenen Wochen in Paris Kunsthistoriker und Museumsdirektoren im wahrsten Wortsinn auf die Palme trieb. Mehr als 3000 Unterschriften wurden bereits gesammelt. Motto: "Die Museen sind nicht zu verkaufen." Der Protest wird wohl nichts mehr verhindern können. Nach der prominenten Starthilfe soll den Vereinigten Emiraten ein eigenständiges Museum erhalten bleiben: 400 Millionen Dollar stehen zur Verfügung, um während der Louvre-Jahre eine eigene Sammlung anzukaufen.

Was die internationalen Auktionshäuser wohl in euphorische Rauschzustände versetzen dürfte: Hat Christie's schließlich erst vergangenes Jahr ebenfalls in die Golf-Region expandiert. Hunderte Besucher, allein über 500 aktive Bieter stürmten im Mai 2006 die als erste internationale Kunstauktion im Mittleren Osten angepriesene Veranstaltung. 8,5 Millionen Dollar wurden an diesem Abend in Dubai umgesetzt. Und auch die zeitgenössische Kunst folgt dem großen Geld - von 8. bis 10. März findet in Dubai die erste international besetzte moderne Kunstmesse, "The Gulf Art Fair", statt.

Ein elitäres Vergnügen für einige wenige in einer der reichsten Regionen der Welt. Dieser Aspekt ist auch das schlagendste Argument der Kritiker in Frankreich: Durfte der Louvre mit 8,3 Millionen Besuchern vergangenes Jahr doch gerade erst wieder seinen Rang als meistbesuchtes Museum der Welt bekräftigen, stehen dieser Rekordzahl im bevölkerungsarmen Abu Dhabi nur 700.000 Einwohner gegenüber.

Das Argument des Louvre-Direktor, das Museum sei für die gesamte Menschheit geplant worden, scheint vor diesem Hintergrund nicht sonderlich stichhaltig. Doch wie jedes andere Museum braucht auch der Louvre mehr Budget - und die Depots sind zum Bersten gefüllt.

Unter weniger Argumentationszwang steht Guggenheim-Direktor Thomas Krens, gehört Expansion doch zu seiner Firmenphilosophie. Außerdem kann nach einigen gescheiterten Plänen in New York und Südamerika eine Dependance in der Golfmonarchie seine zuletzt geschwächte Position nur stärken.

Ebenso wie der Neo-Louvre soll in den nächsten fünf Jahren auch das neue Guggenheim auf der der Abu Dhabi City vorgelagerten Halbinsel Saadiyat ("Insel des Glücks") angesiedelt werden: Mit 30.000 Quadratmeter Größe wäre es das bisher größte Guggenheim. Im September bekam Frank Gehry den Planungsauftrag, er hat bereits dem Guggenheim Bilbao die marketinggerecht unverwechselbare Hülle verpasst.

Aufsehenerregende Architektur wird zum "Kulturzentrum der Weltklasse", das sich Abu-Dhabis Kronzprinz, Scheich Mohammed Bin Zayed Al Nahyan, hier im neuen Tourismusparadies wünscht, jedenfalls dazugehören. Und neben drei Yachthäfen, 29 Hotels mit mehr als 7000 Zimmern möchte er auch noch weitere Dependancen berühmter Museen ansiedeln - Verhandlungen sollen bereits im Laufen sein, letztlich vier Museen auf der Halbinsel Platz finden.

Ein guter Tipp wäre wahrscheinlich noch die Eremitage in St. Petersburg, die bereits Filialen in Amsterdam und Las Vegas betreibt. Das Kunsthistorische Museum in Wien, das mit Guggenheim und Eremitage seit Jahren kooperiert, ist jedoch wenig interessiert, hört man aus dem Haus.

Der Weg zur "Insel des Glücks" wird dennoch von Österreich bereitet: Über die deutsche Tochter Züblin plant und baut die "Strabag" als Generalunternehmer eine 1,45 Kilometer lange Brücke von Abu Dhabi City nach Saadiyat Island. 60 Meter breit, zehn Fahrspuren, zwei Bahngleise sind die Zahlen, die sie zu einer der breitesten Brücken der Welt machen werden.

Die Globalisierung der Museen, die ab Donnerstag übrigens auch bei einem Symposium in Wien diskutiert wird (siehe Artikel unten), scheint jedenfalls eine neue Dimension erreicht zu haben.

Nach Guggenheim, Louvre und der Eremitage in St. Petersburg, die in Las Vegas und Amsterdam Filialen betreibt, hat sich kürzlich noch eine weitere Pariser Institution fix für eine Zweigstelle im Ausland entschieden: Das Centre Pompidou, das lange überlegte, in Berlin eine Zweigstelle aufzusperren, scheint sich letztendlich doch für China entschieden zu haben. In Schanghai soll ein 10.000 Quadratmeter großes Museum entstehen. Eröffnung: Ende 2007.

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