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Quer durch Galerien

Höhere Verdauungsgewalt?

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!Alle Vöglein sind schon da, alle Vöglein, alle - und machen einen ordentlichen Dreck. Dass Vögel größere Aufräumarbeiten nach sich ziehen können, weiß man spätestens seit Alfred Hitchcock. Wenn Markus Huemer (bis 8. März im Mezzanin, Mariahilfer Straße Nr. 74a) 30 Finken engagiert, damit sie "die Sau rauslassen", dann sind nachher beim Saubermachen aber keine Aasgeier nötig, es reicht eine herkömmliche Putzfrau.
Trotzdem wird sich mancher, der Hitchcocksche Vorahnungen hatte, Mut angesungen haben (aber eher nicht mit "Alle Vöglein sind schon da") oder wenigstens versucht haben, sich mit einem Energydrink Flügel anzutrinken, um Chancengleichheit herzustellen. (Aus Angst vor der höheren Verdauungsgewalt, also der Verdauung, die von oben kommt.) "Actionpainting" heißt die "Schmutzfinken-Aktion". Jackson Pollocks legendäre Malaktionen, ziemlich poetisch übersetzt in eine eigendynamische Manieriertheit. Aber weil Vögel, die man im Aktionismus aufbewahrt, doch nicht so artgerecht gehalten werden, hat man sie nach der Vernissage an die Tierhandlung retourniert, und sie hatten offensichtlich zu wenig Zeit, um das "Gemälde" (eine Vogelfutterschlacht) mit ihrem Verdauungsfleiß zu vollenden.
Das Andachtsbild im Zeitalter der DVD: Ein hypnotisierendes Blau (blauer als das von Yves Klein) schwebt effektvoll im Finstern. Huemer hat es auf DVD gebrannt und projiziert den besinnlichen "Passivitätsfilm" mit der Handlung "Blue as blue can be" von hinten auf eine weiße Plexiglasscheibe. Und wenn Huemer ein rechteckiges Bild aus weißem Licht auf den stockdunklen Boden "legt" (mit einem Beamer), dann staunt man sogar einen abgenutzten Parkettboden an, als hätte ihn Picasso höchstpersönlich verlegt. Huemer treibt die Malereitradition mit Hilfe der neuen Medien auf die Spitze. Und seine Bilder haben Aura. (Vielleicht verwechselt man aber beim Hinschauen "Aura" ein bisschen mit Lichtstärke.)
Auch Steine von Swarovski tragen Latex. Es mag einem ja auf der Zunge liegen, dass Andrea maxa Halmschlager die Steine in etwas versenkt hat, was wie überfahrene Lakritze aussieht. Der Appetit auf diese Ketten aus Latex kommt aber, sobald man dieses sinnliche Leuchten aus der Tiefe bemerkt. Bis 2. März zeigen Schmuckkünstler und -innen bei V&V (Bauernmarkt 19), wie weit man mit Swarovski-Steinen gehen kann.
Fast schon genial: Die Kette von Florian Ladstätter, in die man auf kreativste Arten und Weisen (je nach Körperbeherrschung) "einsteigen" kann. Theoretisch muss man sich nicht einmal Bewegungsabläufe wie beim Anziehen eines Pullovers verkneifen. Diesen biegsamen Körperschmuck aus Teflon und Kristallsteinen kann sich der Körper untertan machen. Formstabil bis zum nächsten Verbiegen. Womöglich kriegt man davon sogar eine bessere Haltung. Und Blanka Sperková hat in gewohnter Qualität aus Silberdraht filigrane Gebilde gestrickt. Ätherisch wie Spinnweben, in denen sich Swarovski-Steine verfangen haben.

Sehr reizvoll kombiniert man in der Galerie Wolf-

rum (Augustinerstraße 10, bis 25. Februar) Gerlinde Thumas diffuse, geradezu mystische Körpererscheinungen (die im Kohlestaub herumgeistern) und die handfesten "Bretter" von Barbara Höller, die zum extrem diesseitigen Bohrer greift und immer wieder lauter exakte, runde "Senkgruben" in Faserplatten bohrt, um Farbe einzufüllen. Ein "mathematischer Brutalo" ist Höller meistens trotzdem nicht.

Erschienen am: 15.02.2002

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