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14.05.2004 - Kultur&Medien / Ausstellung
Ausstellungslandschaft: Wider den Müßiggang
Quer durch das Land bieten die österreichischen Kunst­häuser und Museen eine Fülle interessanter Ausstellungen. Sie, verehrter Kunstfreund, haben also mehr als genug zu tun in den nächsten Monaten. Erobern Sie die Ausstellungslandschaft!

Jetzt, wo es wärmer wird und Sie sich die kalte Zeit aus den Glieder schütteln wollen, erwägen Sie, richtig auszuspannen und schon Einübungen auf die Ferien anzustellen? Sie! Das geht nicht. Sie wollen doch kein Banause sein. Zu groß die kulturellen Versäumnisse, die Sie damit riskieren. Denken Sie um!

Das „schaufenster“ schlägt folgenden mehrstufigen Plan vor: Statt sich auf die faule Haut zu legen, planen Sie Bewegung ein. Ob Sie walken, laufen, bladen, radeln, turnen oder hüpfen, entscheiden Sie selbst. Wichtig: Steigern Sie allmählich die Dosis. Und vor allem: stecken Sie sich Ziele! Wir reden jetzt nicht von Gewichtsreduktion oder Verbesserung der Kondition, sondern empfehlen in all unserer Einseitigkeit als solche: Ausstellungen, Ausstellungen und wieder Ausstellungen. Es gibt genug davon. Und den Häusern kann man wahrlich keine Unsportlichkeit vorwerfen, denn sie wetteifern miteinander in Sachen Attraktivität. Da wollen Sie, schlanker Leser, sportliche Leserin, doch nicht zurückstecken.

Parcours mit Malerei. Besonders auf ihre Kosten kommen die Freunde der Malerei. Die Interessen können nach Konzepten, Themen, Inhalten gewichtet werden. Wer es gerne outdoor mag und darüber aufs Sinnlichste sinnieren möchte: Ein absolutes Muss ist die Ausstellung „Out there“ von Alois Mosbacher, der sich in den 80er-Jahren einen Namen als Neuer Wilder gemacht hatte. Schauplatz ist die Wiener Secession, aber vom altbekannten „hehren“ Kunsttempel lässt Mosbacher wenig erkennen. Stattdessen verwandelte er den großen Ausstellungsraum mithilfe eines ausgeklügelten, irregulären Stellwandsystems und 80 fantastisch gemalten Bildern in einen Wald. Einen Bilderwald sozusagen. Mosbacher erzählt, was im Wald so lauert: Geheimnisse, Mythen, Märchen, Gefahren, Unheimliches – der Wald als postmodernes Refugium.

Einem Vorläufer der zeitgenössischen Malerei widmet das Niederösterreichische Landesmuseum eine umfassende Retrospektive: Alfred Frohner, 70, wird mit „Zeichnungen, Mischtechnik, Malerei“ aus den Jahren 1958–2002 als bedeutender österreichischer Maler und Grafiker gewürdigt. Dabei stand für den jungen Frohner nicht gleich fest, ob er überhaupt eine künstlerische Laufbahn einschlagen würde. In die Akademie wollte ihn nämlich keiner aufnehmen. Einzig Herbert Boeckl ermunterte ihn zum Künstler-Dasein. Als autodidaktischer Teilnehmer von Boeckls „Abendakt“ orientierte sich Frohner an Cezanne, Klee und Picasso, um 1960 fand er zur freien gestischen Malerei. In seiner Karriere verzeichnete er auch ein aktionistisches Intermezzo. Frohners großes Thema aber blieb die Auseinandersetzung mit der weiblichen Figur, wobei er sich nicht gerade als Feminist outete. Die Ausstellung versammelt über 100 Werke, darunter die großen Zyklen „Metamorphosen“ und „Reflexionen zu Adalbert Stifter“.

Das Thema der Figürlichkeit umkreist auch der Salzburger Kunstverein – allerdings aus einer durchaus ironischen Perspektive. Während sich Ursula Hübner in ihren Collagen und Bildern mit Identitätsfragen, Sein und Schein sowie der Beziehung von Subjekten und Räumen befasst, treibt der Holländer Michael Raedecker seine mit verschiedenen Materialien bestickten Bilder bewusst an den Rand des Kitschs.

Konzeptuell nähern sich der Malerei Johanna & Helmut Kandl. „Mich interessiert mehr das, was mit der Kunst
zusammenhängt, als die Kunst selbst“, sagt Johanna Kandl, „mir geht’s um die Leut“. Unter dieser Prämisse sondierten die beiden denn auch die Bestände der Artothek Krems. Unter dem Titel „Ein Bild gibt das andere“ wählten sie schließlich vier Künstler aus dem Zeitraum 1945 bis 1980 aus, anhand ihrer Werke erzählen sie über ihr Leben.
Eine stark inhaltsbezogene Malereiposition stellt die Galerie im Taxispalais mit Ellen Gallagher vor. Thema ihrer kleinteilig-subtilen, auf den ersten Blick minimalistisch bis comicartig verkürzten Bilder sind stereotype Klischees der Repräsentation afroamerikanischer Menschen: Lippenwülste, Kulleraugen, Kraushaar. Einen medien- und technologiekritischen  Anspruch verfolgt schließlich auch Agnes Fuchs, wenn sie in der Kremser Galerie Stadtpark Gemälde versammelt, die Interieurs von Kontrollzentren und Bilder aus Überwachungskameras und Portierlogen zeigen.

Künstlerische Auseinandersetzung mit Körperlichkeit und Frausein, von 23. Juni bis 26. September in der MAK-Galeriezu sehen: Evi Untitled, von EVI

Kunst und Körper. Mittlerweile zu einem Klassiker des Ausstellungswesens avanciert ist das Thema Körper, wobei Differenzierungen nicht ausgeschlossen sind: zum Beispiel in Richtung Sozialgeschichte. So wirft das Wienmuseum mit „Riviera an der Donau“ einen liebevollen Blick auf das Donaudörfchen Kritzendorf, eine der frequentiertesten Sommerfrischen in der Nähe Wiens seit der Jahrhundertwende. 1903 wurde dort eines der ersten Freiluft-Strombäder errichtet. Nicht zuletzt dank des modernen Luft-Licht-und-Sonne-Booms erreichte die Beliebtheit des Bades, das sich mondän in „Kriz-les-Bains“ umbenannte, um 1928 einen Höhepunkt. Unter den Gäs­ten fanden sich viele Prominente, unter anderem Peter Altenberg, Lina Loos und Hilde Spiel. Heimito von Doderer setzte Kritzendorf in der Strudelhofstiege ein literarisches Denkmal, Friedrich Torberg in der „Tante Jolesch“.

Parallel präsentiert das Haus übrigens einen der großen Vorläufer der Körperkunst: Egon Schiele. Dabei liegt das Interesse vorrangig auf Schieles Beziehung zu seinem Förderer Arthur Roessler. Der Publizist erkannte früh das Talent des jungen Künstlers und verschaffte ihm das Entree zu den wichtigen Sammlerzirkeln der Stadt. Das Flair dieser Jahre veranschaulichen in hervorragender Weise die Aufnahmen der berühmten Wiener Atelierfotografin „Madame d’Ora“. Zu ihren Modellen zählten Gustav Klimt, Emilie Flöge und viele Schauspieler, Tänzer und Sänger der Monarchie, die sie gerne in avantgardistischen Kostümen und edlen Abendkleidern fotografierte. Das Fotomuseum im Bad Ischler Marmorschlössl widmet ihr seine Sommerausstellung. Auf Body-Art nach zeitgenössischem Verständnis setzt im Sommer die BAWAG und lässt Elke Krystufek, deren Eröffnungsperformances regelmäßig zum Stadtgespräch avancieren, in einer One-Woman-Show gewähren. In ihren jüngsten Arbeiten thematisierte sie zunehmend Schutzlosigkeit und Schüchternheit als Pendants des nackten Körpers. Man darf gespannt sein, welches Konzept die Durchstarterin diesmal vorschlägt.
Um die historischen Wurzeln der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Körper zu erkunden, sei auf ein feinsinniges Projekt der Residenzgalerie Salzburg verwiesen. Unter dem Titel „Beredte Hände“ erforscht die Ausstellung die Bedeutung von Gesten in der Kunst vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart unter besonderer Berücksichtigung von Maulbertsch, Troger, Caravaggio und Co.

Sprachen, Räume, Territorien. Mit einer starken politischen Arbeit, deren Thema die komplexen Beziehungen zwischen der US-Regierung und dem Nahen Osten seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind, präsentiert sich die amerikanische Konzeptkünstlerin Jenny Holzer im Bregenzer Kunsthaus. Seit 1980 sind Schrift und elektronische Texte – vom bedruckten T-Shirt übers Plakat bis hin zur Leuchtreklame – für sie Medien, mit denen sie ihre scharf formulierten Ideen und Argumente gezielt im öffentlichen Raum wie auch in Ausstellungen positionieren kann.
Für Bregenz wird Holzer Regierungsdokumente in Riesenlettern auf der Fassade des KUB applizieren. Darüber hinaus wird sie an wechselnden Orten Vorarlbergs mittels Filmprojektor bewegte Texte auf öffentliche Flächen projizieren.

Erinnerungsarbeit. Sprache war auch die wichtigste Grundlage der künstlerischen und theoretischen Arbeit der US-Koreanerin Theresa Hak Kyung Chas (1950–1982). Als Immigrantin beschäftigte sie sich intensiv mit Erinnerung, Entfremdung und dem Erlernen von Sprachen. Sie suchte „nach den Wurzeln der Sprache, ehe sie auf der Zungenspitze zur Welt kommen.“ Unter dem Titel „Der Traum des Publikums“ präsentiert die Generali Foundation ihre Künstlerbücher, Mail Art, Performances, Installationen sowie Filme, Video- und Diaprojektionen erstmals in Europa.

Traumtänze. Apropos Traum: Auf diesen setzt auch das ob seiner spektakulären Architektur ständig mit der Frage der Inszenierungen ringende Kunsthaus Graz.

Neben einer Design-Ausstellung zum Thema nomadisches und mobiles Wohnen wird der Friendly Alien nun zur Blackbox für Videos umfunktioniert. „Videodreams. Zwischen Cineastischem und Theatralischem“ fragt geradezu selbstreflexiv: „Was können uns Träume über Inszenierungen und Inszenierungen über Träume sagen?“ Die Künstlerliste ist viel versprechend: Teresa Hubbard und Alexander Birchler, Barbara Bloom, Janet Cardiff und George Bures Miller, Stan Douglas, Rodney Graham, Sharon Lockhart, Aernout Mik, Tony Oursler – das sind allesamt Namen, die für Qualität bürgen.

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