Jetzt, wo es wärmer wird und Sie sich die kalte Zeit aus den Glieder
schütteln wollen, erwägen Sie, richtig auszuspannen und schon Einübungen
auf die Ferien anzustellen? Sie! Das geht nicht. Sie wollen doch kein
Banause sein. Zu groß die kulturellen Versäumnisse, die Sie damit
riskieren. Denken Sie um!
Das „schaufenster“ schlägt folgenden
mehrstufigen Plan vor: Statt sich auf die faule Haut zu legen, planen Sie
Bewegung ein. Ob Sie walken, laufen, bladen, radeln, turnen oder hüpfen,
entscheiden Sie selbst. Wichtig: Steigern Sie allmählich die Dosis. Und
vor allem: stecken Sie sich Ziele! Wir reden jetzt nicht von
Gewichtsreduktion oder Verbesserung der Kondition, sondern empfehlen in
all unserer Einseitigkeit als solche: Ausstellungen, Ausstellungen und
wieder Ausstellungen. Es gibt genug davon. Und den Häusern kann man
wahrlich keine Unsportlichkeit vorwerfen, denn sie wetteifern miteinander
in Sachen Attraktivität. Da wollen Sie, schlanker Leser, sportliche
Leserin, doch nicht zurückstecken.
Parcours mit Malerei. Besonders auf ihre Kosten kommen
die Freunde der Malerei. Die Interessen können nach Konzepten, Themen,
Inhalten gewichtet werden. Wer es gerne outdoor mag und darüber aufs
Sinnlichste sinnieren möchte: Ein absolutes Muss ist die Ausstellung „Out
there“ von Alois Mosbacher, der sich in den 80er-Jahren einen Namen als
Neuer Wilder gemacht hatte. Schauplatz ist die Wiener Secession, aber vom
altbekannten „hehren“ Kunsttempel lässt Mosbacher wenig erkennen.
Stattdessen verwandelte er den großen Ausstellungsraum mithilfe eines
ausgeklügelten, irregulären Stellwandsystems und 80 fantastisch gemalten
Bildern in einen Wald. Einen Bilderwald sozusagen. Mosbacher erzählt, was
im Wald so lauert: Geheimnisse, Mythen, Märchen, Gefahren, Unheimliches –
der Wald als postmodernes Refugium.
Einem Vorläufer der
zeitgenössischen Malerei widmet das Niederösterreichische Landesmuseum
eine umfassende Retrospektive: Alfred Frohner, 70, wird mit „Zeichnungen,
Mischtechnik, Malerei“ aus den Jahren 1958–2002 als bedeutender
österreichischer Maler und Grafiker gewürdigt. Dabei stand für den jungen
Frohner nicht gleich fest, ob er überhaupt eine künstlerische Laufbahn
einschlagen würde. In die Akademie wollte ihn nämlich keiner aufnehmen.
Einzig Herbert Boeckl ermunterte ihn zum Künstler-Dasein. Als
autodidaktischer Teilnehmer von Boeckls „Abendakt“ orientierte sich
Frohner an Cezanne, Klee und Picasso, um 1960 fand er zur freien
gestischen Malerei. In seiner Karriere verzeichnete er auch ein
aktionistisches Intermezzo. Frohners großes Thema aber blieb die
Auseinandersetzung mit der weiblichen Figur, wobei er sich nicht gerade
als Feminist outete. Die Ausstellung versammelt über 100 Werke, darunter
die großen Zyklen „Metamorphosen“ und „Reflexionen zu Adalbert Stifter“.
Das Thema der Figürlichkeit umkreist auch der Salzburger
Kunstverein – allerdings aus einer durchaus ironischen Perspektive.
Während sich Ursula Hübner in ihren Collagen und Bildern mit
Identitätsfragen, Sein und Schein sowie der Beziehung von Subjekten und
Räumen befasst, treibt der Holländer Michael Raedecker seine mit
verschiedenen Materialien bestickten Bilder bewusst an den Rand des
Kitschs.
Konzeptuell nähern sich der Malerei Johanna & Helmut
Kandl. „Mich interessiert mehr das, was mit der Kunst
zusammenhängt,
als die Kunst selbst“, sagt Johanna Kandl, „mir geht’s um die Leut“. Unter
dieser Prämisse sondierten die beiden denn auch die Bestände der Artothek
Krems. Unter dem Titel „Ein Bild gibt das andere“ wählten sie schließlich
vier Künstler aus dem Zeitraum 1945 bis 1980 aus, anhand ihrer Werke
erzählen sie über ihr Leben.
Eine stark inhaltsbezogene
Malereiposition stellt die Galerie im Taxispalais mit Ellen Gallagher vor.
Thema ihrer kleinteilig-subtilen, auf den ersten Blick minimalistisch bis
comicartig verkürzten Bilder sind stereotype Klischees der Repräsentation
afroamerikanischer Menschen: Lippenwülste, Kulleraugen, Kraushaar. Einen
medien- und technologiekritischen Anspruch verfolgt schließlich auch
Agnes Fuchs, wenn sie in der Kremser Galerie Stadtpark Gemälde versammelt,
die Interieurs von Kontrollzentren und Bilder aus Überwachungskameras und
Portierlogen zeigen.
Kunst und Körper. Mittlerweile zu einem Klassiker des
Ausstellungswesens avanciert ist das Thema Körper, wobei Differenzierungen
nicht ausgeschlossen sind: zum Beispiel in Richtung Sozialgeschichte. So
wirft das Wienmuseum mit „Riviera an der Donau“ einen liebevollen Blick
auf das Donaudörfchen Kritzendorf, eine der frequentiertesten
Sommerfrischen in der Nähe Wiens seit der Jahrhundertwende. 1903 wurde
dort eines der ersten Freiluft-Strombäder errichtet. Nicht zuletzt dank
des modernen Luft-Licht-und-Sonne-Booms erreichte die Beliebtheit des
Bades, das sich mondän in „Kriz-les-Bains“ umbenannte, um 1928 einen
Höhepunkt. Unter den Gästen fanden sich viele Prominente, unter
anderem Peter Altenberg, Lina Loos und Hilde Spiel. Heimito von Doderer
setzte Kritzendorf in der Strudelhofstiege ein literarisches Denkmal,
Friedrich Torberg in der „Tante Jolesch“.
Parallel präsentiert das
Haus übrigens einen der großen Vorläufer der Körperkunst: Egon Schiele.
Dabei liegt das Interesse vorrangig auf Schieles Beziehung zu seinem
Förderer Arthur Roessler. Der Publizist erkannte früh das Talent des
jungen Künstlers und verschaffte ihm das Entree zu den wichtigen
Sammlerzirkeln der Stadt. Das Flair dieser Jahre veranschaulichen in
hervorragender Weise die Aufnahmen der berühmten Wiener Atelierfotografin
„Madame d’Ora“. Zu ihren Modellen zählten Gustav Klimt, Emilie Flöge und
viele Schauspieler, Tänzer und Sänger der Monarchie, die sie gerne in
avantgardistischen Kostümen und edlen Abendkleidern fotografierte. Das
Fotomuseum im Bad Ischler Marmorschlössl widmet ihr seine
Sommerausstellung. Auf Body-Art nach zeitgenössischem Verständnis setzt im
Sommer die BAWAG und lässt Elke Krystufek, deren Eröffnungsperformances
regelmäßig zum Stadtgespräch avancieren, in einer One-Woman-Show gewähren.
In ihren jüngsten Arbeiten thematisierte sie zunehmend Schutzlosigkeit und
Schüchternheit als Pendants des nackten Körpers. Man darf gespannt sein,
welches Konzept die Durchstarterin diesmal vorschlägt.
Um die
historischen Wurzeln der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Körper
zu erkunden, sei auf ein feinsinniges Projekt der Residenzgalerie Salzburg
verwiesen. Unter dem Titel „Beredte Hände“ erforscht die Ausstellung die
Bedeutung von Gesten in der Kunst vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart
unter besonderer Berücksichtigung von Maulbertsch, Troger, Caravaggio und
Co.
Sprachen, Räume, Territorien. Mit einer starken politischen Arbeit,
deren Thema die komplexen Beziehungen zwischen der US-Regierung und dem
Nahen Osten seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind, präsentiert sich
die amerikanische Konzeptkünstlerin Jenny Holzer im Bregenzer Kunsthaus.
Seit 1980 sind Schrift und elektronische Texte – vom bedruckten T-Shirt
übers Plakat bis hin zur Leuchtreklame – für sie Medien, mit denen sie
ihre scharf formulierten Ideen und Argumente gezielt im öffentlichen Raum
wie auch in Ausstellungen positionieren kann.
Für Bregenz wird Holzer
Regierungsdokumente in Riesenlettern auf der Fassade des KUB applizieren.
Darüber hinaus wird sie an wechselnden Orten Vorarlbergs mittels
Filmprojektor bewegte Texte auf öffentliche Flächen projizieren.
Erinnerungsarbeit. Sprache war auch die wichtigste
Grundlage der künstlerischen und theoretischen Arbeit der US-Koreanerin
Theresa Hak Kyung Chas (1950–1982). Als Immigrantin beschäftigte sie sich
intensiv mit Erinnerung, Entfremdung und dem Erlernen von Sprachen. Sie
suchte „nach den Wurzeln der Sprache, ehe sie auf der Zungenspitze zur
Welt kommen.“ Unter dem Titel „Der Traum des Publikums“ präsentiert die
Generali Foundation ihre Künstlerbücher, Mail Art, Performances,
Installationen sowie Filme, Video- und Diaprojektionen erstmals in
Europa.
Traumtänze. Apropos Traum: Auf diesen setzt auch das
ob seiner spektakulären Architektur ständig mit der Frage der
Inszenierungen ringende Kunsthaus Graz.
Neben einer
Design-Ausstellung zum Thema nomadisches und mobiles Wohnen wird der
Friendly Alien nun zur Blackbox für Videos umfunktioniert. „Videodreams.
Zwischen Cineastischem und Theatralischem“ fragt geradezu selbstreflexiv:
„Was können uns Träume über Inszenierungen und Inszenierungen über Träume
sagen?“ Die Künstlerliste ist viel versprechend: Teresa Hubbard und
Alexander Birchler, Barbara Bloom, Janet Cardiff und George Bures Miller,
Stan Douglas, Rodney Graham, Sharon Lockhart, Aernout Mik, Tony Oursler –
das sind allesamt Namen, die für Qualität bürgen.