Eigentlich ist es nur eine Halle im
ehemaligen Klostergarten der Minoriten, das "forum frohner": Der
fensterlose Raum aus Sichtbeton mit freiliegenden Dämmstoff-Platten an
der Decke und weißer Schalung wird durch einen Glasgang nach dem
Eingangsfoyer betreten. Das Architektenteam des Büros Göbl hatte schon
2004 die Kirche zum Klang raum umgestaltet; hier orientierte man sich
einerseits an der Bettelordenspuristik, am klassischen "white cube" mit
neuen technischen Erfordernissen, aber auch an der Vorliebe Adolf
Frohners (1934-2007) für rohe Materialien.
Mit Dieter Ronte als Kurator und späterem
Leiter wird in der Kunstmeile Krems sicher wieder ein neuer Wind wehen
– was wohl auch Tayfun Belgin so sah, der die Kunsthalle als Direktor
abrupt verlassen hat. Nun wird neu besetzt, wobei auf Zusammenarbeit
Wert gelegt wird, denn der scheidende Direktor der Bundeskunsthalle in
Bonn gibt viele anspruchsvolle Ideen für das Forum vor: So sollen neben
Ausstellungen auch Symposien und Diskurse mit der Donauuniversität
stattfinden, im Sinne von Frohners Wunsch nach einem lebendigen Ort der
Kommunikation und kulturellen Toleranz statt einem "toten Museum".
Sogar von seit einem Jahrzehnt als zu aufwendig verworfenen
Themenausstellungen spricht Ronte, dabei besonders anspruchsvoll und
dem Andenken Frohners gerecht, zur "Ästhetik des Hässlichen" – diesen
wesentlichen Widerspruch für die Kunst des 20. Jahrhunderts hatte 1853
Karl Rosenkranz geprägt.
Gugginger ziehen ein
Nach der nun aus der reichen Schenkung Frohner professionell
konzipierten Eröffnungsschau mit dem etwas sperrigen Titel "Zufälle,
die ich provoziere" – so ein Zitat des Künstlers – wird die
Gegenüberstellung von Beuys und Frohner folgen. Die Art brut soll mit
Jean Dubuffet und den Guggingern hier einziehen, aber auch die lang
verschmähten heimischen Realisten, die 1960, noch vor den Aktionisten,
Skandale in Wien auslösten, weil sie gegen die Norm der Abstrakten mit
grausam-erotischen Themen auftraten.
Frohner gehörte beiden Richtungen an, den Aktionisten nur kurze
Zeit, er hat aber auch als langjähriger Professor an der Angewandten
Generationen von Schülern geprägt. Wie sich sein Name und Werk mit der
flexiblen Bestimmung auf Dauer mit der Kunstmeile verbinden, wird sich
weisen, der Auftakt mit Ronte verspricht spannend zu werden.
Die Zufälle,
die ich provoziere
Kurator: Dieter Ronte
forum frohner
Kunstmeile Krems
http://www.forum-frohner.at
Bis 24. Februar
Spannende Dialoge.
Dienstag, 30. Oktober 2007