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Kunstberichte
Auktionshaus "im Kinsky" wird seit Anfang Mai von Nikolaus Schauerhuber geleitet

Eine Hofübergabe im Palais

Nikolaus Schauerhuber (l.) übernimmt die Leitung des Auktionshauses "im Kinsky". Sein Vorgänger, Unternehmensgründer Otto Hans Ressler (r.), steht als Experte weiter zur Verfügung. Foto: im Kinsky Auktionen

Nikolaus Schauerhuber (l.) übernimmt die Leitung des Auktionshauses "im Kinsky". Sein Vorgänger, Unternehmensgründer Otto Hans Ressler (r.), steht als Experte weiter zur Verfügung. Foto: im Kinsky Auktionen

Von Christof Habres

Aufzählung Eigenständiger Termin für zeitgenössische Kunst soll etabliert werden.
Aufzählung Auktionshaus soll internationaler ausgerichtet werden.

Wien. Er werde sich an diesen Tisch immer wieder erinnern, sowohl im Positiven als auch im Negativen, gibt der vormalige Geschäftsführer und Mitbegründer des Auktionshauses "im Kinsky" Otto Hans Ressler seinem Nachfolger Nikolaus Schauerhuber mit auf den Weg. Bei dem erwähnten Möbel handelt es sich um einen Jugendstil-Spieltisch von Josef Hoffmann und Carl Otto Czeschka, der bei der letzten Meisterwerkeauktion am 12. Mai auf das Zehnfache des Ausrufungspreises kletterte und 486.500 Euro erzielte. Wahrscheinlich Weltrekord für ein Möbel aus dieser Epoche.

Ein beachtlicher Erfolg für das Auktionshaus und für die Jugendstil-Expertin Magda Pfabigan, die konsequent einige Jahre am Zustandekommen dieser Einbringung gearbeitet hat.

Schlagzeilen wie über den Hoffmann-Tisch-Rekord vermögen die magere 50-Prozent-Verkaufsrate der Auktion etwas in den Hintergrund zu rücken. Gerade bei zeitgenössischer Kunst sind in dieser Auktion Arbeiten von vormalig sicheren Umsatzbringern wie Maria Lassnig, Arnulf Rainer oder Elke Krystufek nicht ersteigert worden. Wobei Schauerhuber in den Tagen nach der Auktion reges Interesse im Nachverkauf verzeichnen kann. Aber weshalb die Quote derart gering gewesen ist, muss noch analysiert werden. Manche Experten vermuten die überzogenen Limits der Einbringer als Grund. "Wer wenig verlangt, bekommt viel", erinnert Ressler potenzielle Einbringer an einen Grundsatz bei Auktionen. Ein weiterer Grund kann die Programmierung zwischen zwei Kunstmessen in Wien und eine Woche vor der Auktion des Konkurrenzhauses Dorotheum gewesen sein.

Flexibles Auktionshaus

Eine der ersten Neuerungen, die der ehemalige ORF-Journalist Schauerhuber plant, ist, einen eigenständigen Termin für eine Auktion zeitgenössischer Kunst zu etablieren. Damit soll die führende Position des Hauses in Österreich bei aktueller Kunst gefestigt werden.

Mit dieser Spitzenposition hat vor 18 Jahren niemand gerechnet, als Otto Hans Ressler das Haus gegründet hat. Er hat sich Anfang Mai aus der Geschäftsführung zurückgezogen, steht dem Haus aber als Experte weiterhin zur Verfügung. Ressler, der zuvor für das Dorotheum tätig war, wollte ein modernes und flexibles Auktionshaus in Wien schaffen, wie er im Interview skizziert. Mit anerkannten Experten der verschiedenen Epochen und Stilrichtungen und dem unabdingbaren Fokus auf wissenschaftlicher Recherche, Provenienzforschung und garantierter Echtheit der Arbeiten. Verbunden mit der Beteiligungsstruktur des Unternehmens – in den ersten Jahren waren unter anderem die Galeristen Giese & Schweiger oder Georg Kargl Mitgesellschafter – war dies ein neuartiger Ansatz. Der aber in den Anfangsjahren ob der Marktnähe der Gesellschafter und der damit vermuteten Möglichkeit der Wettbewerbsverzerrung kritisiert wurde. Diese Wogen haben sich geglättet, auch aufgrund der geänderten Gesellschafterstruktur. Die gesteigerte Konkurrenz hat dem Wiener Auktionsmarkt in den letzten Jahren einen massiven Professionalisierungsschub gebracht.

Dass dieser Standort immer wieder an seine finanziellen wie beschaffungstechnischen Kapazitätsgrenzen stoßen wird, ist auch Schauerhuber bewusst. Daher wird er in den kommenden Jahren mit einer sukzessiven Internationalisierung des Hauses beginnen. In den Nachbarländern werden regelmäßig Begutachtungs- und Schätztermine mit den Experten vom "im Kinsky" angeboten werden.

Schauerhuber, der neben seiner journalistischen Tätigkeit als Auktionator beim Fotografieexperten und Sammler Peter Coeln im "Westlicht" einiges an Erfahrung sammeln konnte, übernimmt ein etabliertes Haus und man wird sehen, wie er es durch die Wellenbewegungen des Kunstmarkts manövrieren wird. Nervös sei er anfangs schon gewesen, wie er verrät, als er bei seiner ersten Kinsky-Auktion neben Routinier Ressler den Hammer zu führen hatte. Aber bald schon hätten die unvergleichlichen Emotionen, die bei Auktionen aufkommen und deren Reiz ausmachen, sein Lampenfieber zum Verschwinden gebracht.

Link

Aufzählung Website im Kinsky

 

Printausgabe vom Donnerstag, 19. Mai 2011
Online seit: Mittwoch, 18. Mai 2011 17:32:00

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