Der Vorwurf an Gerald Matt, Mitarbeiter der von ihm geleiteten Kunsthalle Wien für das vom Parlament finanzierte Buchprojekt "Gespräche. Österreichs Kunst der 60er Jahre" unrechtmäßig eingesetzt zu haben, hat am Freitagnachmittag durch eine Sprecherin des Hohen Hauses an Brisanz gewonnen. "Eine Kooperation mit der Kunsthalle hat es nicht gegeben", widersprach die Parlamentskorrespondenz eigenen früheren Angaben von Mitte April. Demnach war nur mit Matt selbst, nicht aber mit der Kunsthalle ein Vertrag abgeschlossen worden. Die Kunsthalle argumentiert hingegen, der Einsatz von Mitarbeitern sei gerechtfertigt gewesen, weil es sich bei dem Projekt um eine Kooperation der beiden Institutionen handelte.
Gemäß einer Anfragebeantwortung von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) vom 1. Juni beinhaltet der Vertrag mit Matt "keine Vereinbarungen hinsichtlich etwaiger Beauftragung von sonstigen Personen".
Grünen-Kultursprecher Wolfgang Zinggl hatte diesbezüglich im April eine schriftliche Anfrage eingebracht, wiederholte Kritik am Einsatz von Kunsthalle-Mitarbeitern für Projekte Matts hatten auch ÖVP und FPÖ geäußert. Laut der Wiener ÖVP sei "keine Eindeutigkeit" gegeben, die erkennen lasse, dass es sich tatsächlich um eine Kooperation zwischen Kunsthalle und Parlament gehandelt habe, da die Kunsthalle weder im Impressum noch mit Logo im Buch auftauche. Zudem habe Matt das Projektbudget von 32.500 Euro auf sein Privatkonto erhalten.
Prammer hatte ursprünglich im April die "Kooperation mit der Kunsthalle Wien" in Bezug auf das Buchprojekt in einer Aussendung verteidigt. Am Freitag bezeichnete eine Parlamentssprecherin das jedoch als falsch. "Wir haben das dann nicht korrigiert, um nicht mehr Wind zu machen."
Die Kunsthalle weist unterdessen die Vorwürfe zurück. Matt war zwar als Privatperson von 1. Jänner 2008 bis 30. Juni 2009 als Kunstkurator der Republik Österreich im Auftrag der Parlamentsdirektion tätig. Laut einem Prüfbericht der Steuerberatungskanzlei IB Interbilanz Hübner hatte er aber seinerseits Vereinbarungen mit der Kunsthalle getroffen, denen zufolge die Kosten - auch für etwaige Überstunden von Mitarbeitern - durch die vom Parlament zur Verfügung gestellten Mittel beglichen werden. Allerdings: Projekttätigkeiten von Mitarbeitern während deren Arbeitszeit wurden nicht an Matt weiterverrechnet, da es sich laut Kunsthalle um eine Kooperation mit dem Haus gehandelt habe.
Die Kooperation habe mehrere Projekte umfasst, etwa auch die beiden Ausstellungsprojekte "Kunsthalle goes Parlament" oder "kunsthalle video lounge" im Infozentrum des Parlaments, die vertraglich zwischen Parlament und Matt vereinbart waren. Laut Kunsthallen-Sprecherin würden mit den Anfragebeantwortungen die Ergebnisse der Prüfungen von IB Hübner bestätigt, wonach sowohl die Ausstellungen als auch das Buchprojekt "in einem zweiten Schritt und in Absprache mit dem Vorstand der Kunsthalle Wien" als Kooperationsprojekte unter der Konzeption und Leitung von Matt ausgerichtet wurden. "Aus diesem Umstand folgt auch die Berechtigung zum Einsatz der hierfür erforderlichen Ressourcen der Kunsthalle", heißt es im Prüfbericht.
Artikel drucken