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| 07.04.2004 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Ausstellung Bregenz: Minimalist mit Schuldkomplex | ||
| Mit "300 Tonnen" bringt der spanische Biennale-2003-Vertreter, Santiago Sierra, das Kunsthaus Bregenz an die Grenze der Belastbarkeit. | ||
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D Die anderen müssen draußen warten, sind solange
ausgegrenzt bis jemand das Gebäude verlässt. 15 Metallpfeiler stützen die
Decke des Erdgeschoßes und weisen die Besucher erneut auf das verwegene
Ausreizen der Statik hin. Auch die zwei Untergeschoße und das erste und
zweite Stockwerk sind bis auf jeweils 15 Metallpfeiler zur Abstützung der
Decken vollkommen leer. Selbst wenn man weiß, dass alles genauestens
berechnet wurde, kann man sich - endlich im dritten Stockwerk angekommen -
eines etwas mulmigen Gefühls kaum erwehren. 292 Tonnen Betonziegel, die in
13 LKW-Sattelzügen antransportiert wurden und mit denen vier
Einfamilienhäuser gebaut werden könnten, sind nun in der obersten Etage
des Kunsthauses aufgestapelt - an genau von Statikern vorgegebenen
Stellen, damit das Gebäude die enorme Belastung aushält und nicht
einstürzt. Das mulmige Gefühl der Besucher ist durchaus
beabsichtigt. Santiago Sierra, 1966 in Spanien geboren und seit 1995 in
Mexiko City lebend, gehört zu den umstrittensten Künstlern der jüngeren
Generation. Formal steht Sierra in der Tradition von Minimal-Art und
Land-Art sowie der Performance-Art der 60er und 70er Jahre. Er selbst
bezeichnet sich als "Minimalist mit einem Schuldkomplex". Seinen
künstlerischen Ruf haben vor allem gesellschaftskritische Aktionen
begründet, bei denen er Menschen auf provozierende Weise dazu brachte,
sich wie Ware behandeln zu lassen. 1999 ließ Sierra in Havanna sechs
arbeitslosen jungen Männern gegen Bezahlung von 30 Dollar eine Linie auf
den Rücken tätowieren, um darauf aufmerksam zu machen, dass Menschen in
der Dritten Welt ihre körperliche Unversehrtheit für nur wenig opfern. Um
auf menschenunwürdige Arbeitsbedingungen hinzuweisen, denen illegale
ausländische Arbeitskräfte in vielen Ländern ausgesetzt sind, ließ Sierra
in der ACE Gallery in Los Angeles mexikanische Arbeiter tonnenschwere
Betonblöcke mit Metallstangen von einem Raum in den anderen schaffen.
Bei der 50. Biennale in Venedig 2003 ließ Sierra den
Haupteingang des spanischen Pavillons zumauern. Durch einen Hintereingang
durften nur Menschen mit gültigem spanischen Pass in das leere Gebäude
eintreten. Wer über keinen solchen Ausweis verfügte, wurde von dort
postierten - und von Sierra bezahlten - Polizisten in Zivil
zurückgewiesen. Der Künstler verwandelte den Pavillon in ein hermetisches
Territorium. Ähnliches passiert jetzt in Bregenz. Das Kunsthaus wird zum
hermetischen Territorium für jeweils 100 Personen, mit der statischen
Belastbarkeit als Regulativ und der Ausgrenzung als Konsequenz. Bis 23. Mai. Di.-So. 10-18h, Do. 10-21h. |
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